Die  Anfänge  König  Friedrich  Wilhelms  IV.  139

Auf  den  Antrag  des  Prinzen  war  schon  im  Jahre  1841  mit  der
neuen  Uniformierung  der  preußischen  Armee  der  Anfang  gemacht:  an
Stelle.  des  unschönen  Uniformfracks  wurde  der  bequeme  und  kleidsame
Waffenrock  eingeführt;  der  schwere  Tschako  wurde  durch  einen  viel
leichteren,  kleidsamen  Helm  ersetzt,  auch  mit  der  Einführung  des  Zünd—
nadelgewehres  begonnen.  In  solchen  Fragen  war  der  Bruder  dem
Könige  unbestrittene  Autorität;  aber  in  der  Verfassungssache  folgte  er
damals  lediglich  den  eigenen  Gedanken.

Auch  auf  die  unzulänglichen  Militärverhältnisse  des  Deutschen  Bundes
richtete  der  König  sein  Augenmerk,  wie  es  scheint,  auf  Anregung  des
Hrinzen  von  Hreußen.  Nach  Derständigung  mit  Gsterreich  und  den  süddeutschen
  Staaten  wurden  wenigstens  regelmäßige  Inspektionen  der
Bundeskontingente  eingerichtet,  mit  denen  von  seiten  Dreußens  der  Drinz
von  Hreußen  betraut  wurde.  Aber  der  öffentlichen  Meinung  genügte
diese  Maßregel  bei  weitem  nicht:  sie  erwartete  von  Dreußen  nicht  weniger
als  eine  Weugestaltung  des  ganzen  Deutschen  Bundes.

Im  Oktober  1842  traten  nun  die  neu  geschaffenen  vereinigten
ständischen  Ausschüsse  zusammen;  allein  bald  erwies  sich,  daß  sie  weder
den  Wünschen  des  Dolkes  noch  auch  in  Wahrheit  den  Bedürfnissen  der
Regierung  genügten.  Alles  drängte  vielmehr  auf  die  Schaffung  einer
polksvertretung  hin.  Es  war  daher  nur  eine  Swischenmaßregel,  daß
1845  wieder  die  alten  Drovinziallandtage  berufen  wurden.  Denn  andere
Fragen,  zumeist  kirchenpolitischer  Art,  nahmen  damals  König  und  Regierung
  ganz  in  Anspruch.  Allein  der  König  verlor  darüber  die  Derfassungsfrage
  nicht  aus  den  Augen,  und  auch  der  Hrinz  von  Hreußen
nicht.  Im  Frühjahr  1844  besuchte  ihn  der  preußische  Gesandte  in  London,
Christian  von  Bunsen.  Bald  war  das  Gespräch  zur  Derfassungsfrage
gelangt.  Der  Hrinz  setzte  Bunsen  seine  ganze  Stellung  zu  der  großen
Frage  und  zu  dem  Könige  auseinander  „mit  einer  Klarheit,  Bestimmtheit,
  Haltung  und  Freimütigkeit,  die  mich“"  —  wie  Zunsen  schreibt  —
„in  Erstaunen  setzte.“

Diie  Folge  dieses  Besuches  war,  daß  der  Prinz  von  Hreußen  im
August  desselben  Jahres  eine  Reise  nach  England  unternahm.  Durch
den  Hrinz-Gemahl  Albert,  wie  durch  Bunsen  gewann  er  einen  tiefen  Einblick
  in  die  so  ganz  eigenartigen  englischen  Derhältnisse.  Er  erkannte  (nach
Bunsens  Urteil),  daß  die  Größe  Englands,  die  er  bewunderte,  die  Folge
seiner  religiösen  und  politischen  Institutionen  sei.  Auf  die  junge  Königin
Dictoria  machte  er  den  allergünstigsten  Eindruck:  „Er  gefällt  mir  sehr
gut“,  schrieb  sie,  „er  ist  äußerst  liebenswürdig,  angenebm  und  verständig,