146  Erstes  Kapitel.

war,  daß  der  König  der  Kommission  durch  den  Eintritt  des  Gesamt—
ministeriums  in  dieselbe  eine  völlig  veränderte  Gestalt  gab  und  auch  den
Prinzen  von  Preußen  jetzt  einlud,  in  dieselbe  einzutreten  und  die  Be—
ratungen  als  Vorsitzender  zu  leiten.  Dem  Prinzen  war  damit  also  die
Stellung  und  Freiheit  gegeben,  seinen  Ansichten  Geltung,  vielleicht  den
Sieg  zu  verschaffen.  Denn  den  König  machte  es  doch  bedenklich,  daß
er  für  seinen  eigenen  Verfassungsentwurf  von  keiner  Seite  Zustimmung
erhalten  hatte.

Am  11.  März  1846  fand  die  erste  Sitzung  der  Gesamtkommission
statt.  Der  Prinz  betonte  die  Bedeutung  der  vorliegenden  Frage,  ob  überhaupt
  jetzt  eine  reichsständische  Derfassung  in  Hreußen  einzuführen  sei.
Man  hatte  die  Empfindung,  an  einem  Wendepunkte  der  Geschichte
Dreußens  zu  stehen:  konnte  man  sich  dem,  was  das  Seitbewußtsein  zu
fordern  schien,  widersetzen  d  Mit  allen  gegen  zwei  Stimmen  sprachen
sich  die  Mitglieder  der  Kommission  für  die  Einführung  der  Reichsstände
aus.  Allein  die  Stimme  des  Dorsitzenden  stand  noch  aus.  Durfte  man
nach  der  Stellung,  die  er  bisher  zu  der  Frage  eingenommen,  darauf
rechnen,  daß  auch  er  sich  dafür  aussprechen  würded  Da  geschah  das
kaum  Erwartete:  der  Hrinz  von  Hreußen  erhob  sich  und  erklärte,  daß
auch  er  jetzt  die  Motwendigkeit,  eine  reichsständische  Dersammlung  zu  berufen,
  anerkenne.  Der  sichere  Takt,  den  er  jederzeit  für  die  Bedürfnisse
der  Seit  hatte,  leitete  ihn.  Die  Abstimmung  war  ihm  nicht  leicht  geworden;
  man  hörte  es  seiner  Stimme  an,  als  er  die  Sitzung  schloß:
„Ein  neues  Hreußen  wird  sich  bilden.  Das  alte  geht  mit  HDublizierung
dieses  Gesetzes  zu  Grabe.  Möge  das  neue  so  erhaben  und  groß  werden,
wie  es  das  alte  mit  Ehre  und  Ruhm  geworden  ist!“