Drittes  Kapitel.
1848.

Seit  dem  Tode  des  Herzogs  Karl  von  Mecklenburg,  dem  22.  September
  1837,  führte  der  Drinz  von  Preußen  das  Kommando  des  Gardecorps,
  anfangs  interimistisch,  bis  er  am  50.  März  1858  zum  kommandierenden
  General  des  Gardecorps  selbst  ernannt  wurde.  Ein  Jahrzehnt  war
seitdem  vergangen,  als  der  König  ihm  einen  Wirkungskreis  anwies,  der
in  ganz  besonderem  Maße  des  Hrinzen  Besonnenheit  und  Energie  erforderte:
  am  10.  März  1848  ernannte  er  ihn  zum  Generalgouverneur
der  Rheinprovinz  und  Westfalens.  Infolgedessen  übergab  der  Drinz  das
Kommando  des  Gardecorps  dem  ältesten  Generale  desselben,  dem  Generalleutnant
  von  Hrittwitz,  und  nahm  von  dem  solange  geführten  Corps
in  Berlin  und  Hotsdam  in  den  nächsten  Tagen  Abschied,  von  den  Mannschaften
  der  Regimenter  in  den  Kasernen,  von  den  Gffizieren  mittags
auf  der  Harade.  Nicht  leicht  wurde  es  ihm,  aus  der  altvertrauten
Stellung  zu  den  Musterregimentern  der  preußischen  Armee  zu  scheiden.
Mit  ernsten  Worten  ermahnte  er  die  Soldaten  bei  den  aufgeregten,  gefahrdroljenden
  Herhältnissen  ringsum  zu  verdoppelter  Anstrengung,  zu
männlicher  Festigkeit,  zu  unerschütterlicher  Treue,  zu  kräftigem  Widerstand
gegen  alle  Derlockungen,  die  ihnen  die  fieberhaft  erregte  Seit  bieten  würde.

Und  fürwahr,  an  solchen  Herlockungen  fehlte  es  nicht.  Der  Rückgang
  der  deutschen  Industrie,  die  sich  fortwährend  wiederholenden  Lohnherabsetzungen
  hatten  in  den  Fabrikbezirken  die  Arbeiter  in  eine  Lage
gebracht,  die  nur  schwer  erträglich  war.  Die  Maßregeln  der  Regierungen
verschlugen  nichts  dagegen,  so  daß  die  Arbeiter  sich  in  die  Einbildung
hinein  gewöhnten,  in  den  Regierungen  ihren  übelwollenden  Widersacher
zu  sehen.  Dazu  kam  die  schlechte  Ernte  des  Jahres  1847  und  noch
mehr  die  weite  Striche  verheerende  Kartoffelkrankheit,  um  die  Mot  und
die  Mißstimmung  der  Arbeiter  zu  steigern.  Dieser  AMlibstimmung  nun
bemächtigten  sich  die  Radikalen;  denn  sie  hofften  durch  die  Fäuste  der