166  Drittes  Kapitel.

störte  ihn.  Ruhig  stieg  er  wieder  von  der  Leiter  herunter.  „Bravo!“
riefen  einige  der  Bessergesinnten  und  klatschten  nachdrücklich  ihm  Beifall.
Das  wirkte:  Die  eben  noch  wild  schreiende  Menge  stimmte  mit  ein  —
und  das  Palais  war  gerettet.

Indessen  dem  Prinzen  selbst  glaubten  seine  Freunde  doch  raten
zu  müssen,  wegen  der  großen  gegen  ihn  herrschenden  Aufregung  Berlin
zu  verlassen.  Denn  er  allein  sollte  das  Blutvergießen  vom  18.  März
veranlaßt  haben.  Konnte  eine  Beschuldigung  unsinniger  seind  Aber  wer
fragte  damals  nach  Beweisend  Der  Prinz  begab  sich  nach  Spandau  und
von  dort  nach  der  Pfauen-Insel,  wo  er  den  20.  und  21.  März  in  stiller
Surückgezogenheit  zubrachte.  Seine  Abreise  aber  wurde  nun  wieder  von
den  haßerfüllten  Demokraten  als  eine  Bestätigung  seiner  volksfeindlichen
Absichten  geflissentlich  ausgelegt  und  das  Gerücht  verbreitet,  daß  unter
der  Führung  des  Hrinzen  eine  große  Heeresabteilung  gegen  Berlin
heranrücke.  So  grundlos  es  auch  war,  so  wurde  es  doch  geglaubt  und
steigerte  die  Erregung  gegen  den  Hrinzen  zu  wahrer  Fieberbitze.  Sur
Beruhigung  der  Bevölkerung  glaubten  daher  die  neuernannten  Minister
dem  Könige  den  Wunsch  ausdrücken  zu  müssen,  daß  der  Prinz  eine  Zeise
ins  Ausland  unternehmen  möchte.

Der  König  entsprach  diesem  Wunsche  und  sandte  dem  Hrinzen  eine
mündliche  Weisung.  Alllein  dieser  lehnte  es  ab,  auf  mündliche  Weisung
hin  Hreußen  zu  verlassen:  nur  einem  ausdrücklichen  schriftlichen  Befehle
des  Königs  werde  er  sich  fügen.  So  richtete  der  König  denn  ein  eigenhändiges
  RKandschreiben  an  ihn,  in  dem  er  ihm  den  Auftrag  erteilte,  sich
nach  Rußland  zu  begeben,  um  dem  befreundeten  russischen  Rofe  Aufklärung
über  die  Ereignisse  in  Berlin  zu  geben.  Allein  war  nicht  zu  erwarten,
daß,  wenn  dies  bekannt  würde,  es  die  Erregung  gegen  den  Hrinzen  nur
noch  steigern  würded  Denn  kein  Land  war  den  Wlachthabern  des  Tages
so  verhaßt  wie  Rußland  und  so  gefürchtet.  Indessen  nach  einigen  Tagen
schon  brachten,  dem  Mißtrauen  begegnend,  die  Seitungen  amtlich  die
Nachricht  von  der  Abreise  des  Prinzen  nach  London.  Das  wirkte  günstig
und  bestätigte  sich  auch  bald  als  wahr.

Seit  Jahren  war  der  Drinz  von  Dreußen  mit  dem  Freiberrn  Karl
von  Dincke  befreundet,  der,  aus  dem  aktiven  Militärdienste  ausgeschieden,
auf  seiner  schlesischen  Besitzung  GElbendorf  sich  mit  politischer  Schriftstellerei
  beschäftigte,  liberal  seiner  Gesinnung  nach  und  mit  offenem  Auge
den  Forderungen  der  Seit  zugewendet.  Durch  persönlichen  wie  brieflichen
Derkehr  stand  er  dem  Hrinzen  nahe.  In  der  Abschiedsstunde  hatte  er
den  Hrinzen  mit  unauffälliger  Sivilkleidung  versehen.  Dann  suchte  er