Das  Jahr  1848.  167

ihn  auf  der  Pfauen-Insel  auf  und  bewog  ihn  zu  dem  Enstschlusse,  nicht
nach  Rußland,  sondern  nach  England  zu  gehen,  falls  der  König  zustimme.
So  begab  sich  denn  Vincke  nach  Berlin,  gewann  die  Zustimmung  des
Königs  und  begleitete  nun  den  Prinzen  an  dessen  Geburtstage  von  der
stillen  Insel  nach  Hamburg.  Hier  zu  dem  Getreuen  war  es  dem  Prinzen
in  diesem  Momente,  wo  er  sich  anschickte,  das  Vaterland  zu  verlassen,
Bedürfnis,  sich  rückhaltslos  über  seine  Stellung  zu  den  Fragen  der  Seit
auszusprechen.  Es  war  eine  denkwürdige  Unterredung.  In  sichtlicher
Bewegung  betonte  der  Prinz,  wie  er  stets  nach  seiner  innigsten  Über—
zeugung  und  seinem  Pflichtgefühle  gehandelt  habe,  daß  er  aber  vollkommen
anerkenne,  daß  die  Seit  eine  andere,  daß  das  alte  System  unmöglich  geworden,
  daß  er  offen  und  ehrlich  allem  dem  beitreten  würde,  was  der
König  im  Znteresse  der  Dolksfreiheit,  der  neuen  Seit  thun  und  vereinbaren
  würde.  Dies  sei  er  bereit  bei  geeigneter  Gelegenheit  auch  äffentlich
  auszusprechen.  Sein  Wunsch  sei,  an  diesem  neuen  erke  mitzuarbeiten,
  und  sein  Vorsatz,  an  dem  Neuen  dann  ebenso  festzuhalten,  wie
er  das  Alte  verteidigt.  Dincke  erinnerte  an  das  Gerücht,  daß  dem  Hrinzen
die  Absicht  zuschriebe,  mit  Waffengewalt  die  alte  Ordnung  der  Dinge
wiederhberzustellen.  Allein  mit  lebhaftem  Unwillen  wies  der  Hrinz  den
Gedanken  zurück,  daß  er  jemals  gleich  den  Stuarts  oder  den  Bourbons
die  Waffen  gegen  sein  Daterland  führen  oder  fremde  Mächte  dazu  aufmuntern
  könne.  Und  Dincke  schied  mit  dem  Sindrucke,  daß  der  Hrinz,
nachdem  er  mit  gewohntem  Fleiß  die  neue  Derfassung  und  das  neue
Derhältnis  des  konstitutionellen  Königtums  aufgefaßt  habe,  in  seiner
ganzen  Gewissenhaftigkeit  der  kräftigste,  sicherste  Träger  desselben
sein  werde.

Gleich  nach  dieser  Unterredung,  die  klar  zeigt,  daß  die  Einsicht  von
der  Motwendigkeit  der  konstitutionellen  Regierungsform  für  die  neue
Seit  aus  eigener  stiller  Erwägung,  nicht  erst  infolge  seines  Aufenthaltes
in  England  dem  Hrinzen  geworden,  verließ  er  den  Boden  Deutschlands.
In  Begleitung  seines  Flügeladjutanten,  des  Majors  Glrichs,  schiffte  er
sich  an  Bord  des  englischen  Dampfers  John  Bull  am  25.  März  ein  und
langte  in  der  Morgenfrühe  des  27.  in  London  an.  Die  Uberraschung
in  Carlton  Zouse  Terrace,  dem  Hotel  der  preußischen  Gesandtschaft,  war
groß,  als,  ohne  angemeldet  zu  sein,  der  Hrinz  vorfuhr.  Schnell  ließ
indes  Zunsen,  der  Gesandte,  einige  Simmer  zur  Wohnung  für  den
Drinzen  einrichten.  An  dem  gemeinsamen  Lunch  der  Familie  nahm  der
Drinz  teil.  Den  hohen  Gast  zu  ehren,  setzte  Frances  von  BZunsen,  die
Tochter  des  Gesandten,  selbst  ihm  einen  eleganten  Armsessel  an  die  Mitte