168  Drittes  Kapitel.

der  Tafel.  Aber  lächelnd  stellte  der  Drinz  den  Sessel  zurück  und  nahm
sich  einen  einfachen  Stuhl.  „Man  muß  jetzt“,  sagte  er  heiter,  „Demut
üben;  denn  die  Throne  wackeln.“  Überhaupt  erkannten  alle  mit  Bewunderung,
  daß  die  männliche  Beiterkeit,  die  huldvolle  Güte,  die  freundliche
  Rücksicht  auf  das  Behagen  anderer,  die  von  je  dem  OHrinzen  eigen
gewesen  waren,  in  nichts  durch  die  trüben  Erfahrungen  der  letzten  Tage
überschattet  wurden.  Mit  männlicher  Ruhe  und  in  sich  gefaßter  Würde
nahm  er  auch  auf,  was  die  Seitungen  fast  täglich  von  betrübenden
Meldungen  oder  auch  gehässigen  Angriffen  brachten.

Alsbald  machte  der  Hrinz  der  Königin  Dictoria  und  dem  Orinz-Gemahl
  Albert  in  Buckingham-Halast  seinen  Besuch  und  empfing  die
Gegenbesuche  der  königlichen  Familie  und  des  Hofes.  Auch  der  greise
Feldmarschall  Herzog  von  ellington  machte  in  der  Uniform  eines
preußischen  Generals  ihm  die  Aufwartung.

Am  Sonntage  besuchte  er  den  evangelischen  Gottesdienst  in  der
Savoy-Kirche.  Als  er  in  die  Kirche  eintrat,  überreichte  ihm  der  Küster
das  Gesangbuch  und  zeigte  ihm  den  Vers,  der  gesungen  wurde.  Es

war  der  3.  Ders  von  Nr.  500  des  hannöverschen  Kirchengesangbuches:

Da  siehst  du  Gottes  Herz,
Das  kann  dir  nichts  versagen,
Sein  Mund,  sein  teures  Wort
Dertreibt  ja  alles  Sagen.
Was  dir  unmöglich  dünkt,
Kann  seine  Haterhand

Noch  geben,  die  von  dir
Schon  viele  Not  gewandt.

Mit  wunderbarer  Gewalt  ergriff  das  trostreiche  Wort  das  Herz  des
Drinzen:  gerade  zu  ihm  schien  es  ihm  gesprochen.  Er  ließ  sich  das  unscheinbare
  Zuch  geben  und  hat  es  zum  Gedächtnis  der  Suversicht,  die  es
in  ihm  gestärkt,  treu  aufbewahrt.  Auf  seinem  Schreibtische  in  Babelsberg
  hat  gar  mancher  es  liegen  sehen  und  vielleicht  auch  die  Worte  gelesen,
  die  der  Drinz  neben  den  Ders  geschrieben  hat:  „Bei  meinem
ersten  Besuche  des  Gottesdienstes  in  der  Savoy-Kirche  zu  London  am
2.  April  1848  gesungen.“

Die  Staatsmänner  Englands  und  die  ganze  hohe  Aristokratie  wetteiferten
  miteinander,  dem  Hrinzen  ihre  Zuldigungen  darzubringen.  Ihm
zu  Ehren  gab  Lord  Halmerston  am  2.  April  ein  glänzendes  Fest.  Der
Herzog  von  Devonfhire  folgte,  dann  Wellington,  Lord  Hardinge  u.  a.
Die  COsterwoche  verlebte  der  Hrinz  in  Strathfieldsavp,  dem  Landsitze  des
Herzog  von  ellington.  Im  April  besuchte  er  auch  die  Insel  Wight.