Das  Jahr  1848.  169

Mit  besonderer  Herzlichkeit  aber  wurde  der  Verkehr  mit  dem  Prinz—
Gemahl  wieder  aufgenommen  und  bestärkte  den  Hrinzen  in  seiner  über—
zeugung,  daß  Preußen  unumwunden  und  offen  in  die  Bahn  der  konstitu—
tionellen  Staatsform  einlenken  müsse.  In  seinem  Tagebuch  hat  Prinz
Albert  den  Eindruck  niedergelegt,  den  er  damals  von  dem  Prinzen  von
Preußen  gewann.  „Er  wird  angefeindet“,  schreibt  er,  „weil  er  gefürchtet
wird;  doch  ist  er  nobel  und  ehrlich  und  ganz  der  neuen  Bewegung  für
Deutschland  ergeben.  Er  nimmt  die  Sache  mit  militärischer  Ehre  und
verteidigt  den  Posten,  der  ihm  anvertraut  ist.“

Neben  diesem  persönlichen  Verkehre  fand  der  Prinz  auch  Zeit,  sich
mit  den  Einrichtungen  Englands  durch  eigene  Beobachtung  immer  ver—
trauter  zu  machen.  Zumal  den  Verhältnissen  der  englischen  Marine
wandte  er  Aufmerksamkeit  und  Studium  zu.  Als  ein  Ausdruck  des  ge—
wonnenen  Interesses  für  dies  bisher  ihm  ferner  liegende  Gebiet  und  der
sich  anbahnenden  Überzeugung  von  der  außerordentlichen  Wichtigkeit  desselben
  für  das  Staatsleben  kann  es  gelten,  daß  er,  als  unter  den  Deutschen
in  England  zu  Sammlungen  für  „die  deutsche  Flotte“  angeregt  wurde,
selbst  die  Subskription  mit  der  Zeichnung  von  20000  Mark  eräffnete.
Das  erregte  Aufsehen;  einige  demokratische  Hitzköpfe  stellten  den  Antrag,
die  tausend  Pfund  Sterling  von  einem  Gegner  der  deutschen  Einheitsbestrebungen
  nicht  anzunehmen.  Aber  der  Vorsitzende  der  Versammlung
belehrte  sie,  daß  ein  Fürst  Gegner  der  Einheit  sein  müsse,  so  lange  das
Volk  den  Handlungen  selbst,  die  sie  bezweckten,  Widerstand  entgegensetze.
Das  wirkte:  die  Seichnung  des  Hrinzen  wurde  einstimmig  angenommen
und  ihm  der  Dank  der  Dersammlung  votiert.

So  schnell  indes  erfolgte  in  der  Heimat  der  Umschwung  der  Stimmung
  nicht.  Die  Woachrichten,  welche  von  dorther  die  Seitungen  brachten,
lauteten  bedenklich  und  unerquicklich.  Mur  daß  die  preußischen  Truppen
ihren  alten  Ruhm  militärischer  Tüchtigkeit,  den  die  Märztage,  wenn
auch  grundlos,  erschüttert  hatten,  in  Schleswig  glänzend  wiederherstellten,
erfüllte  den  Drinzen  mit  lebhafter  Genugtluung.  König  Friedrich  VII.
von  Dänemark  hatte,  gedrängt  von  den  Kopenhagener  Demokraten,  in
offener  Derletzung  der  alten  Landesrechte  die  Einverleibung  Schleswigs
in  den  dänischen  Staat  verfügt.  Einmütig  hatten  sich  dem,  wenn  auch
ohne  Erfolg,  die  Herzogtümer  Schleswig  und  HBolstein  entgegengesetzt,  bis
der  König  von  Dreußen  am  24.  März  ihre  Rechte  anerkannte  und
preußische  Truppen  ihnen  unter  General  von  Wrangel  zu  Hilfe  sandte,
welche  am  25.  und  24.  April  bei  Schleswig  und  Flensburg  die  Dänen
zurückschlugen.