Das  Jahr  1848.  171

stitutionelle  Monarchie  verwandelte  Verfassung  des  Staates  mit  ihren
notwendigen  Folgen  annehmen  und  daß  Sie  entschlossen  sind,  wie  in
früheren  Tagen,  Gut  und  Blut  auch  heute  noch  für  denselben  zu  opfern.
So  gern  ich  aber  Ihrem  Wunsche  gleich  nachkommen  möchte,  so  muß  ich
mir  die  Freude  für  jetzt  untersagen,  weil  mich  ein  besonderer  Auftrag
Sr.  Majestät  des  Königs  zur  Zeit  noch  in  England  festhält.  Zugleich
lassen  mir  die  besonderen  Verhältnisse,  in  welchen  Preußen  sich  befindet,
die  Konstituierung  der  neuen  Rechtszustände,  sowie  meine  eigene  Stellung
zu  dieser  Reorganisierung  der  Monarchie  die  unmittelbare  Rückkehr  in  die
Hauptstadt  Berlin  unerläßlich  erscheinen.

„Sie  wissen,  daß  ich  als  Mitglied  des  damaligen  Staatsministeriums
das  Hatent  Sr.  Majestät  des  Königs  vom  18.  März  d.  J.,  durch  welches
dem  preußischen  Dolke  die  vorgenannte  konstitutionelle  Derfassung  verheißen
  worden  ist,  mit  voller  Ubereinstimmung  unterzeichnet  und  mich
dadurch  zu  deren  einstiger  Aufrechthaltung  verpflichtet  habe.  Sie  kennen
mich  auch  hinreichend,  um  zu  mir  das  Dertrauen  zu  hegen,  daß  ich
meinem  gegebenen  Worte  mich  treu  erweisen  werde.  Da  aber  in
letzterer  Zeit  über  meinen  Charakter  böswillige  und  vollkommen  unbegründete
  Gerüchte  verbreitet.  worden  sind,  so  wünsche  ich  vor  allem  durch
mein  persönliches  Erscheinen  in  Berlin  denselben  bald  entgegentreten  zu
können.  Später  werde  ich  dann  freudig  in  Ihre  Mitte  eilen!“

Nur  allzusehr  traf  zu,  was  der  Hrinz  hier  beklagte,  daß  die  gehässigsten
  Anschuldigungen  in  Berlin  gegen  ihn  verbreitet  wurden;  viele
sprachen  sie,  ohne  zu  prüfen,  nach,  und  die  andern  getrauten  sich  aus
Furcht  vor  den  Demokraten  nicht,  zu  widersprechen.  So  völlig  beherrschte
die  sieghafte  Demokratie  die  Situation,  daß  die  meisten  Geistlichen  Berlins
sogar  die  Fürbitte  für  den  Drinzen  von  Hreußen  aus  dem  allgemeinen
Kirchengebete  fortließen.  Da  erschien  am  26.  April  ein  Eingesandt  in
der  Dossischen  Seitung,  durch  das  alle  gutgesinnten  2  Känner  aufgefordert
wurden,  vereint  den  König  zu  bitten,  daß  der  Drinz  von  Hreußen  zurückberufen
  würde.  Unterzeichnet  war  es  „v.  Grtzen  und  BHering“.  Das
war  der  Umschlag.  zetzt  erhob  sich  Stimme  für  Stimme  in  den  Heitungen,
  Flugblättern,  Dlakaten;  Gedichte  wurden  gedruckt,  Adressen  beraten.
Jetzt  wurde  festgestellt,  daß  der  Prinz  unmöglich,  wie  ihm  schuld  gegeben
war,  das  Seichen  zum  Angriffe  der  Soldaten  auf  das  Dolk  könne  gegeben
  haben,  daß  er  gar  nicht,  auf  dem  Balkon  des  Schlosses  stehend,
mit  einem  weißen  Tuche  könne  gewinkt  haben,  da  er  sich  im  neuen  Dortragszimmer
  des  Königs  zur  Seit,  als  die  beiden  Schüsse  fielen,  befunden
habe,  daß  er  sich  vielmehr  bei  diesen  Schüssen  besorgt  an  die  Umstehenden