172  Drittel  Kapitel.

mit  den  Worten  gewandt  habe:  „Mein  Gott,  wenn  da  nur  nicht  jemand
von  den  Zuschauern  in  den  Fenstern  blessiert  ist!“  Nun  erst  wurde  be—
kannt,  daß  der  Prinz  gerade  dem  Schießen  gewehrt,  daß  er  am  Abend,
als  die  noch  nicht  angegriffene  Barrikade  in  der  Breiten  Straße  auf
die  Artillerie  am  andern  Ende  der  Straße  schoß,  den  Kommandeur
derselben  verhinderte,  das  Schießen  eher  zu  erwidern,  als  bis  der  kom—
mandierende  General  es  selbst  beföhle.

In  die  Gffentlichkeit  trat  der  Umschlag  der  Stimmung  zuerst  auf
dem  Hosthofe  in  der  Oranienburger  Straße.  Hier,  in  einer  Dersammlung
  von  Landwehrmännern,  gab  der  Schauspieler  Louis  Schneider,  auf
dem  Dache  eines  Hostwagens  stehend,  seinen  patriotischen  Empfindungen
beredten  Ausdruck.  Er  schloß  mit  einem  Hoch  auf  den  Hrinzen  von
Hreußen,  in  das  die  anwesenden  Tausende  mit  lautem  Guruf  einstimmten.

Freilich  suchten  die  demokratischen  Dolksführer  durch  Hlakate  und
Mlaueranschläge  der  immer  weiter  um  sich  greifenden  Stimmung  entgegenzutreten.
  Aber  auch  aus  den  Drovinzen,  zumal  aus  Dommern  und
Dreußen,  tönten  Stimmen  herüber,  welche  gegen  die  Führerschaft  Berlins
energisch  protestierten.  Und  alle  diese  Kundgebungen  wurden  für  das
Ministerium  die  Grundlage,  die  Surückberufung  des  Hrinzen  bei  dem
Könige  zu  beantragen.  Denn  die  Einberufung  der  zur  Dereinbarung
der  preußischen  Staatsverfassung  gewählten  Dolksvertretung  stand  nähe
bevor,  und  es  schien  unerläßlich,  daß  der  Thronerbe  zur  feierlichen  Anerkennung
  der  zu  vereinbarenden  Derfassung  anwesend  sei,  und  daß  die
Dolksvertretung  ihre  Beratungen  mit  der  vollen  Gewißheit  begönne,  in
dem  Thronerben  einen  Mitbürgen  der  Rechte  zu  finden,  welche  der  König
der  Dolksvertretung  einzuräumen  entschlossen  sei.  Überdies  hatte  das
Städtchen  Wirsitz  in  der  Drovinz  Hosen  den  Mut  gehabt,  den  viel  angefeindeten
  Drinzen  von  Dreußen  zu  seinem  Dertreter  in  dieser  Dolksvertretung
  zu  wählen.  Freilich  wollte  das  Ministerium  die  Rückkehr  des
Drinzen  nur  unter  der  Bedingung,  daß  er  „  konstitutionelle  Bürgschaften
leiste“.  Der  König  war  mit  dieser  Voraussetzung  einverstanden  und
sandte  den  Major  Laue,  der  zum  ersten  Adjutanten  des  Hrinzen  ernannt
war,  mit  einem  Handschreiben  nach  London,  durch  das  er  den  Bruder
zur  Zeimkehr  einlud.

Die  Nachricht  von  der  bevorstehenden  Rückkehr  des  Hrinzen  von
Hreußen  rief  in  Berlin  eine  gewaltige  Aufregung  hervor,  so  daß  die
demokratischen  Dolksbetzer  sie  zur  Entfachung  einer  neuen  revolutionären
Erhebung  glaubten  ausnutzen  zu  können.  Der  politische  Klub,  ihr
Mittelpunkt,  erließ  daher  eine  Aufforderung  zu  einer  bewaffneten  olks-