Das  Jahr  1848.  175

vieles  über  mir  gewaltet  hat.  Es  ist  schmerzlich,  verkannt  zu  werden;
nur  ein  reines  Gewissen  hat  mich  über  diese  Seit  hinweggeführt,  und
mit  reinem  Gewissen  kehre  ich  in  mein  Daterland  zurück.  Ich  habe
immer  gehofft,  der  Tag  der  Wahrheit  werde  anbrechen  —  und  er  ist
angebrochen.  Es  hat  sich  seitdem  vieles  in  unserm  Daterlande  verändert.
Der  König  hat  es  gewollt:  des  Königs  Wille,  ist  mir  heilig.  Ich  bin
sein  erster  Unterthan  und  schließe  mich  mit  vollem  Berzen  den  neuen
Verhältnissen  an;  aber  Recht,  Ordnung  und  Gesetz  müssen  herrschen  —
keine  Anarchie!  Dagegen  werde  ich  mit  meiner  ganzen  Kraft  streben;
das  ist  mein  Beruf.  Wer  mich  gekannt  hat,  weiß,  wie  ich  immer  für
das  Haterland  geglüht  habe.  Sie  können  sich  denken,  daß  ich  mit  erschüttertem
  Herzen  vor  Ihnen  stehe:  um  so  wohlthuender  ist  mir  dieser
herzliche  Empfang.“

Ein  wahrer  Triumphzug  wurde  die  Weiterfahrt  für  den  Hrinzen.
Es  war  die  erehrung  für  sein  mannhaftes  Wesen,  die  sich  in  freudigen
Ruldigungen  kundgab.  Seine  eindrucksvolle  Hersönlichkeit  legte  einer
westfälischen  Bauernfrau  die  naive  Frage  in  den  Mund:  „Is  uns'  König
woll  ok  sonen  s—chönen  Mins—chend“  Aber  es  war  auch  der  bewußte
Gegensatz  der  königstreuen  Drovinzen  gegen  die  Demokratenherrschaft  in
Berlin,  der  in  der  Herzlichkeit  des  Empfanges  sich  aussprach.  In  Ruhrort
  streuten  die  Bewohner  ihm  Blumen  auf  den  Weg;  lächelnd  dankte
ihnen  der  Hrinz:  „Dies  sind  die  ersten  Blumen,  die  mir  auf  vaterländischem
  Boden  geboten  werden;  und  ich  hoffe,  daß  sie  mir  eine  glückliche
  Dorbedeutung  für  meine  Sukunft  sein  werden.“  In  Magdeburg
harrte  des  Heimkehrenden  die  Hrinzessin  von  Dreußen  mit  dem  jungen
Drinzen  Friedrich  Wilhelm  und  der  lieblich  Beranwachsenden  Hrinzessin

Tuise.  Bier  hatte  zu  seinem  Empfange  auch  die  Bürgerwehr  —  dem
Drinzen  ein  neuer  Anblick  —  mit  den  Behörden  und  Cffizieren  sich
aufgestellt.

Es  war  der  Todestag  seines  königlichen  Daters,  der  7.  Juni,  als
der  Drinz  in  Hotsdam  eintraf,  auf  der  Wildparkstation  vom  Könige  und
der  Königin  empfangen.  Sum  Grabe  des  Daters  war  sein  erster  Gang.
Nach  Charlottenburg  ins  Mausoleum  begab  sich  die  vereinte  königliche
Familie,  um  an  der  Gedächtnisfeier  für  den  teuren  Heimgegangenen
teilzunebmen.

Im  Marmorsaale  des  Hotsdamer  Stadtschlosses  empfing  der  Hrinz
am  Abend  die  Gffiziere  der  Garderegimenter,  in  deren  Namen  General
von  Hrittwitz  ihn  in  der  Reimat  willkommen  hieß.  Mit  bewegter  Stimme
dankte  ihm  der  Hrinz,  indem  er  mit  warm  anerkennenden  Worten  des