178  Drittes  Kapitel.

noch  weiter  in  der  Versammlung  zu  erscheinen,  deren  Heißsporne  in
seinen  warmen  Worten.  „nicht  genug  Sympathie  für  den  stattgehabten
Umschwung  der  Dinge“  finden  wollten.  Aber  aus  den  Provinzen  kamen
nach  Babelsberg  an  ihn  von  allen  Seiten  Adressen  und  Deputationen,
um  ihm  auszudrücken,  was  man  für  ihn  fühle.  Allein  alle  solche  Demon—
strationen  waren  dem  Prinzen  im  Grunde  seines  Herzens  unbehaglich;
er  wehrte  sie  ab,  soweit  es  nur  irgend  möglich  war.  Nur  die  sinnvolle
Huldigung,  welche  die  Offiziere  der  Garderegimenter  ihm  darbrachten,
konnte  er  nicht  umhin,  sich  gefallen  zu  lassen,  da  mit  vielen  derselben
seit  Jahren  persönliche  Beziehungen  ihn  verknüpften,  so  daß  der  Anschein
einer  politischen  Demonstration  von  vornherein  ausgeschlossen  war.

Mehr  als  hundert  Böte,  mit  Laubgewinden  und  Flaggen  geschmückt
und  von  vielfarbigen  Laternen  und  Fackeln  beleuchtet,  bedeckten  am
Abend  des  10.  Juni  den  breiten  Wasserspiegel  der  Havel  zu  den  Füßen
von  Babelsberg.  Abwechselnd  spielten  die  auf  die  Böte  verteilten  Militär-=kapellen
  die  ationalbpmne  und  das  Hreußenlied.  An  der  OHrinzenburg,
einem  Thorbäuschen  am  Rande  des  Harks  von  Babelsberg,  landete  die
Deputation,  die  dem  Hrinzen  die  Bitte  vortrug,  sich  in  die  Mitte  seiner
Getreuen  zu  begeben.  Gern  entsprach  er  ihr,  und  bald  sab  man  den
Drinzen  in  seinem  eigenen  Boote  inmitten  der  festlichen  Scharen,  die  mit
jubelnden  Surufen  ihn  begrüßten.  In  der  Ode  „Drinz  von  Hreußen,
ritterlich  und  bieder“,  hatte  Friedrich  von  Gaudy  der  Sehnsucht  aller
gutgesinnten  Dreußen  nach  dem  ritterlichen  Drinzen  von  Hreußen  Ausdruck
  gegeben.  Es  war  ein  ergreifender  Moment,  als  jetzt  der  Dymnus,  von
allen  Festgenossen  (nach  der  Melodie:  Drinz  Eugen,  der  edle  Ritter)  gesungen,
  unter  der  rauschenden  Begleitung  von  fünf  Musikcorps  emporstieg.
  Tiefen  Eindruck  machte  zumal  der  letzte  Ders,  in  dem  die  Sehnsucht
  zum  Treugelöbnis  sich  erhob:

Führe  du  uns,  Hrinz,  wir  folgen  gerne,
Folgen  dir  als  unserm  Sterne,

Folgen  dir  bis  in  den  Tod!

Mag's  auch  Stein’'  und  Kugeln  regnen,
Du,  Herr  Gott,  wirst  Waffen  segnen,
Die  geführt  auf  sein  Gebot.

Lautlos  hatten  sich  während  des  Gesanges  die  Böte  nahe  um  das
des  Hrinzen  geschart.  Jetzt  stand  er  auf.  Bewegt,  mit  herzlichen  Worten
dankte  er  für  die  Huldigung  und  schloß  unter  ernster  Mahnung  mit  einem
dreifachen  Hoch  auf  den  König.

An  dem  Hrinzen  richtete  die  patriotische  Roffnung  sich  auf.  Während
  daher  in  Berlin  die  Anarchie  immer  weiter  um  sich  griff,  wurde