Das  Jahr  1848.  179

Babelsberg  das  Wallfahrtsziel  der  Patrioten.  Von  nah  und  fern,  wie—
wohl  der  Prinz  es  ungern  sah,  kamen  Deputationen,  ihm  zu  huldigen.
In  den  demokratischen  Volksversammlungen  wurde  darum  gedroht,  man
müsse  den  Babelsberg  besetzen;  aber  auf  den  Prinzen  machte  das  gar
keinen  Eindruck;  nicht  einmal  seine  weiten  Spaziergänge  über  die  Um—
gebung  des  Schlosses  hinaus  stellte  er  ein.  Er  war  ein  stiller,  aber  auf—
merksamer  Beobachter  der  Vorgänge  in  Berlin.  Der  Zeughaussturm  am
14.  Juni  zwar  gestaltete  sich  zu  einer  an  das  Cächerliche  streifenden
Niederlage  der  demokratischen  Massen;  aber  bedeutungsvoll  war  die
Entlassung  des  Märzministeriums,  indem  der  König  durch  die  Berufung
des  Winisteriums  Auerswald  noch  einen  Schritt  weiter  nach  links  that.
Es  war  des  Hrinzen  Jugendfreund  von  Rönigsberg  her,  Rudolf  von
Auerswald,  der  an  die  Spitze  dieses  „Kammerministeriums“  trat.  Wohl
widerstrebte  er  einer  Demokratisierung  des  Ministeriums,  aber  dem  Lauf
der  Dinge  Einhalt  zu  thun,  verstand  er  nicht.  Die  Folge  war,  daß  der
Gegensatz  der  Drovinzen  gegen  das  Treiben  der  Hauptstadt  noch  mehr
verschärft  wurde,  so  daß  an  vielen  Grten  laut  sich  der  Widerspruch  kundgab.
  Lebhaft  erhob  sich  in  weiten  Kreisen  das  altpreußische  Zewußtsein
wieder,  und  die  schwarzwei½ße  Kokarde  erschien  wieder,  als  Seichen  der
Gesinnung  an  den  Rut  gesteckt.

Mitten  hinein  in  diese  erstarkende  Strömung  fiel  die  Reise  des
Drinzen  nach  Hommern.  Die  Seit  gab  ihr  die  Bedeutung  eines  politischen
  Ereignisses.  Allezeit  hatte  seine  „Statthalterschaft"  dem  Hrinzen
unwandelbare  Anhänglichkeit  gezeigt.  So  begab  er  sich  denn,  ihr  seinen
Dank  auszudrücken,  im  August  mit  seiner  Gemahlin  und  seinem  Sohne
nach  Stettin.  Es  war  ein  Triumphzug,  noch  glänzender  als  seine  Heimkehr
  im  Zuni.  Die  treue  Hrovinz  konnte  sich  gar  nicht  genug  thun,  ihm
ihre  Ruldigungen  darzubringen.  Aus  allen  Kreisen,  von  allen  Ständen  strömten
die  Einwohner  herbei,  um  ihren  Statthalter  zu  begrüßen.  „Ich  habe“,
sprach  der  Prinz  zu  den  mit  Jubelrufen  ihn  umringenden  Dolksmengen,
„meinen  Sohn  auf  diese  Reise  mitgenommen,  damit  er  frühzeitig  lerne,
wie  seine  Ahnen  es  gewußt  und  verstanden  haben,  sich  ein  treues  und
dankbares  Dolk  zu  gewinnen.“  Aber  dann  fügte  er  auch  ernst  hinzu,  den
Blick  auf  die  Berliner  Dorgänge  richtend,  daß  der  König  zwar  die
Wiedergeburt  des  Daterlandes  in  einer  neuen  Derfassung  wünsche,  aber
zugleich  auch  des  Willens  sei,  daß  in  demselben  fortan  wieder  Ordnung
und  Recht,  Gesetz  und  Gehorsam  walte.

Wohl  hatten  unter  den  wackeren  Dommern  die  Ungeduldigsten  gehofft,
  daß  der  Hrinz  sich  an  ihre  Spitze  stellen  und,  ein  neuer  Siegfried,

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