180  Drittes  Kapitel.

den  greulichen  CLindwurm  der  Demokratenwirtschaft  erlegen  würde.  Aber
gerade  darum  hatte  der  Prinz  von  seiner  Familie  sich  begleiten  lassen,
damit  die  Reise  durchaus  den  persönlichen  Charakter  bewahre.  So  kehrte
er  denn  in  die  Stille  von  Babelsberg  zurück,  während  die  Dinge  in  Berlin
sich  vollendeten,  mit  militärischen  Studien  sich  beschäftigend.
Unerschöpflich  in  Geduld,  hielt  der  König  immer  noch  die  Hoffnung
fest,  daß  er  doch  noch  zur  Derständigung  mit  der  Nationalversammlung
gelangen  werde.  Aber  haßerfüllte  Reden  der  demokratischen  Führer
gegen  die  Regierung  waren  die  Antwort,  regierungsfeindliche  Beschlüsse,
Drohungen  und  Aufruhrversuche.  Nichts  fruchtete  dagegen  alle  Ver—
söhnlichkeit  und  Nachgiebigkeit,  alles  Mahnen  und  Warnen  des  Königs.
Aber  es  giebt  eine  Grenze,  wo  Güte  und  Geduld  zur  Schwäche  wird.
Hier  hielt  der  König  inne  und  nahm  jetzt  die  Wiederherstellung  der  er—
schütterten  Staatsordnung  in  Preußen  in  seine  Hand.  Er  berief  zu  dem
Behufe  das  Ministerium  Brandenburg-Manteuffel  und  verlegte  die  Nationalversammlung
  nach  Brandenburg.  An  der  Spitze  von  47  000  Mann  mit
klingendem  Spiele  rückte  Wrangel  in  Berlin  ein,  und  Berlin  ward  in
Belagerungszustand  erklärt.  Zwar  die  Berliner  Stadtverordneten  ver—
suchten  den  aus  Berlin  verbannten  Abgeordneten  zu  Hilfe  zu  kommen.  Sie
entsandten  eine  Deputation  nach  Babelsberg,  um  die  Vermittelung  des
Prinzen  von  Preußen  in  Anspruch  zu  nehmen;  denn  die  Regierung  habe
—  erklärten  sie  —  durch  die  Verlegung  der  Nationalversammlung  ihre
gesetzliche  Befugnis  überschritten.  Allein  „offen  und  entschieden“  —  wie
Professor  Gneist,  der  Sprecher  der  Deputation  berichtete  —  widersprach
ihnen  der  Prinz,  mit  Nachdruck  auf  die  Seite  des  Königs  sich  stellend,
der  nur  gethan  habe,  was  ihm  das  Recht  erlaubt  und  die  Not  geboten.
Es  sei  ein  Fehler  gewesen,  am  10.  März  die  Truppen  aus  Berlin  herauszuziehen.
  Solle  die  Krone  fallen,  so  wolle  sie  wenigstens  mit  Ehren
fallen.  An  der  neuen  Derwirrung  sei  nur  der  Ungehorsam  der  Fraktion
Unruh  (wie  man  damals  den  unter  der  Leitung  von  Unruhs  stehenden
Rest  der  Mationalversammlung  nannte)  schuld;  dennoch  —  versicherte  der
Drinz  —  wolle  er  sein  heiliges  feierliches  Dersprechen  und  sein  fürstliches
Wort  darauf  geben,  daß  die  Verheißungen  des  Königs  vom  März  buchstäblich
  würden  erfüllt  werden.  Alsbald  erfüllte  sich  denn  auch  diese
Susage:  die  königliche  Botschaft  vom  5.  Dezember  machte  allen  Weiterungen
  ein  Ende,  indem  die  Nationalversammlung  aufgelöst  und  eine
Derfassung  „oktroviert"  wurde.  Einen  Moment  freilich  mochte  man
fürchten,  daß  die  Krone,  wie  sie  denn  völlig  den  Sieg  über  die  Dolksbewegung
  gewonnen,  so  auch  nun  diesen  Sieg  völlig  möchte  ausnutzen