184  Drittes  Kapitel.

stets  hoch  gestellt  gewesenen  Truppe  aufs  neue  die  Bewunderung  der
Welt  erworben.

„Worin  wurzelt  diese  Thatkräftigkeit,  Ausdauer  und  Treue,  welche
solchen  Eindruck  hervorbringen  kannd  lächst  der  Gesinnungstüchtigkeit,
welche  in  der  großen  Mehrzahl  des  preußischen  Holkes  herrscht,  allein
in  der  Erzielung,  welche  dem  preußischen  Soldaten  zu  teil  wird,  in  der
Dauer  derselben,  durch  welche  es  überhaupt  möglich  wird,  wahre  Soldatentugenden
  zu  erzielen.  Diese  sind  es,  welche  man  den  preußischen  Soldaten
anfühlt,  wo  sie  sich  zeigen  —  es  ist  der  militärische  Geist,  der  sich  in
allen  Graden  ausspricht  und  der,  von  einem  unübertrefflichen  Offiziercorps
  getragen,  sich  über  alle  Glieder  des  Heeres  verbreitet  —  es  ist
das  Dertrauen  der  Dorgesetzten  zu  ihren  Untergebenen  und  der  Untergebenen
  zu  ihren  Dorgesetzten,  welches  sich  in  diesem  Beere  ausspricht
und  welches  ebenso  zu  Reldenthaten  auf  dem  Kampfplatze  anfeuert,  als
die  Zandhabung  der  Disziplin  erleichtert.  Solche  Resultate  zu  erreichen,
muß  jeder  Militär,  der  über  eine  Wehrverfassung  mitzusprechen  hat,  sich
angespornt  fühlen.  Wer  aber  den  Erfolg  will,  muß  auch  die  Mittel
wollen,  und  diese  sind  in  der  zwei=  und  dreijährigen  Dienstzeit  gegeben.

„II.  Die  Einführung  eines  Examens  für  die  RKauptleute  der  Infanterie
  und  für  die  Rittmeister  der  Kavallerie  erscheint  vollkommen
überflüssig,  da  die  zu  diesem  Hosten  nötigen  Fähigkeiten  und  Kenntnisse
sich  genugsam  durch  die  ganze  Dienstzeit  der  Individuen  herausgestellt
haben  müssen,  bevor  sie  zu  dieser  Beförderung  gelangen.  —  Bei  Aufstellung
  der  Bestimmung,  daß  eine  Zeförderung  außer  der  Tour  nur
stattfinden  soll,  wenn  die  Mehrzahl  des  Offiziercorps  während  zwei  Jahren
einen  Kameraden  aus  seiner  Mitte  als  dazu  geeignet  bezeichnet  hat,  muß
man  sich  wohl  nicht  klar  gemacht  haben,  daß  dies  den  Keim  zur  Auflösung
  alles  esprit  de  corps  legen  muß  und  der  Intrige  Thür  und
Thor  öffnet.

„III.  Wahl  der  Führer!  Dies  Stichwort  der  Seit  wird,  weil  es
volkstümlich  klingt,  in  unsern  Tagen  von  einem  dem  andern  nachgesprochen,
  und  man  glaubt  damit  die  Sache  abgemacht  und  gut.  Da  nun
kein  erfahrener  Soldat  jemals  mit  diesem  Hrinzip  einverstanden  sein  wird,
so  Roffen  wir,  daß  die  militärischen  Mitglieder  des  Wehrausschusses  auch
bei  der  Festsetzung  dieses  Haragraphen  in  der  Mkinorität  geblieben  sind.

„Warum,  fragt  sich  zunächst,  eine  Führerwahl  für  den  zweiten  und
dritten  Heerbann  bestimmen,  während  für  den  ersten  Heerbann  der  bisher
übliche  Modus  der  Ernennung  beibehalten  worden  istd  Warum  soll  dem
einen  nicht  recht  sein,  was  dem  andern  billig  ist?