188  Drittes  Kapitel.

tung  der  Disziplin  wirken  wird  und  ein  Terrorisieren  der  Richter  durch
die  Zuhörer  nicht  außer  aller  Berechnung  liegen  sollte,  so  wollen  wir  doch
nichts  dagegen  erinnern.  Dagegen  müssen  wir  uns  gegen  die  Einführung
von  Geschworenen  erklären,  insofern  ihnen  das  Recht  zustehen  soll,  von
der  Anklage  ohne  höhere  Bestätigung  freizusprechen.  Ein  solches  Recht
würde  gegen  alle  bisher  anerkannten  Grundsätze  der  militärischen
Hierarchie  verstoßen.  Nur  der  Kriegsherr  darf  zugleich  der  oberste
Richter  sein,  und  nur  er  kann  in  einzelnen  Fällen  dies  Recht  höheren  Be—
fehlshabern  delegieren.

„Soll  jedoch  mit  der  Bezeichnung  Geschworene  nur  der  Begriff  ver—
bunden  werden,  daß  der  Soldat  von  seinesgleichen  gerichtet  werde,  so  ist
dieser  Anforderung  im  preußischen  Heere  bereits  seit  dem  Jahre  1808
entsprochen  worden.“

Das  ist  die  Hauptsumme  der  Gedanken,  mit  denen  der  Prinz  von
Preußen  dem  Gesetzentwurfe  über  die  deutsche  Wehrverfassung  entgegen—
trat.  Scharf  und  einschneidend  ist  die  Kritik,  mit  welcher  der  erste  Soldat.
Preußens  den  Gesetzentwurf  trifft;  aber  sie  ist  zugleich  so  klar  und  ein—
leuchtend,  daß  die  Wirkung  nicht  ausbleiben  konnte.  Sahlreiche  Seitungsartikel
  und  Brochüren  sprachen  sich  in  dem  gleichen  Sinne  aus:  und  der
Frankfurter  Gesetzentwurf  wurde  auf  unbestimmte  Seit  vertagt,  ohne  je
wieder  zum  Vorschein  zu  kommen.  Aber  die  Wärme  und  Überzeugungskraft,
  welche  die  kleine  Schrift  durchweht:  ist  sie  es  nicht,  welche  das  allezeit
  siegreiche  Heer  der  großen  Kriege  geschaffen  hatd

So  ging  denn  mit  bedeutungsvoller  Arbeit  dem  Hrinzen  das  Jahr
1848  zu  Ende.  Der  Druck  der  „Bemerkungen“  fällt  schon  in  den  Januar
1840.  Ohne  Groll,  obgleich  es  viel  Schmerz  ihm  gebracht,  sah  der  Prinz
es  scheiden;  er  hatte  sich  mit  ihm  ausgesöhnt,  als  er  sagte:  „Ich  bin
kein  Frömmler,  kein  Hietist;  aber  ich  habe  einen  frommen  Glauben,  und
in  diesem  frommen  Glauben  habe  ich  die  UÜberzeugung,  daß  auch  das
Jahr  48  göttliche  Sügung  war,  von  Gott  gesendet,  damit  wir  alle  klüger
würden.“