Der  Feldzug  in  Baden.  193

am  28.  April  endgültig  die  ihm  dargebotene  deutsche  Kaiserwürde  ab,
von  der  Überzeugung  durchdrungen,  daß  die  Ablehnung  nicht  eine  Gefährdung,
  sondern  „eine  Förderung  einer  wirklichen  und  umfassenden
deutschen  Einheit“  sei.  Aber  als  den  Verweser  des  erledigten  Kaiser—
tums  sah  er  sich  an,  dem  es  obläge,  das  Werk  der  Einigung  Deutschlands
  selbst  in  die  Hand  zu  nehmen.  Und  in  diesem  Gedanken  lud  er
nun  alle  deutschen  Regierungen,  welche  zu  weiteren  Beratungen  mit
Preußen  geneigt  seien,  zu  Konferenzen  nach  Berlin  ein.  Das  Ergebnis
dieser  Konferenzen  war  das  Dreikönigsbündnis,  welches  Preußen  am
28.  Mai  mit  Sachsen  und  Hannover  abschloß.

Daß  er  bei  allem  Interesse  für  die  Einheit  Deutschlands  den  Entschließungen
  des  Königs  ganz  zustimme,  hatte  der  Prinz  von  Preußen
schon  der  Kaiserdeputation  erklärt.  Auch  er  hielt,  wie  sein  königlicher
Bruder,  die  Kaiser-  und  Einheitsfrage  nicht  durch  die  Entschließung  vom
28.  April  für  endgültig  erledigt,  sondern  nur  für  vertagt.  „Daß  Preußen
bestimmt  ist“,  schrieb  er  drei  Wochen  später  an  seinen  alten  Freund,  den
General  von  Natzmer,  „an  die  Spitze  Deutschlands  zu  kommen,  liegt  in
unsrer  ganzen  Geschichte  —  aber  das  Wann  und  Wied  Darauf  kommt  es  an.“

Indessen  über  das  Wie  ist  der  Hrinz  sich  schon  erstaunlich  klar.
Richt  auf  die  Frankfurter  Reichsverfassung  darf  das  Kaisertum  sich
stützen,  sondern  es  verlangt  eine  Derfassung,  die  dem  Kaiser  „Macht  und
Kraft  verleiht,  um  dem  gesamten  Deutschland  zum  Beile  zu  gereichen“.
Nicht  auf  Miederwerfung  der  deutschen  Fürsten  darf  das  Kaisertum  gegründet
  sein,  sondern  auf  deren  vertragsmäßige  Unterordnung.  Dem
Grafen  Stillfried  vertraut  der  Hrinz  diese  Gedanken  (26.  Mai  1840):
eine  genaue  Orüfung  der  Reichsverfassung  werde  ergeben,  „daß  alle
Macht  dem  Harlamente  gegeben  ist  und  das  Gberhaupt  nur  zum  Schein
besteht,  dessen  man  sich  bei  Gelegenheit  entledigen  kann,  um  zur  Republik
überzugehen“.  Und  er  schließt  den  Brief  mit  den  wie  ein  Hrogramm
uns  anmutenden  Worten:  „Hreußens  Geschick  wird  sich  erfüllen,  d.  h.
es  muß  an  die  Spitze  Deutschlands  kommen,  aber  auf  eine  Art,  die
Dauer  und  Heil  verspricht,  und  beides  erreicht  man  durch  Kraft  und
HKonsequenz;  und  indem  man  die  Rechte  anderer  berücksichtigt  und  schont,
erhält  man  sich  sein  eigenes  Recht.“

Aber  freilich,  bis  die  Seit  kam,  wo  der  Hrinz  selbst  auf  diesem
Wege  die  Einheit  Deutschlands  ins  Werk  zu  setzen  berufen  war,  bis  zu
dem  Wie  das  Wann  sich  ihm  gesellte,  hatte  Hreußen,  hatte  er  selbst  noch
einen  langen  und  steilen  Weg  zu  geben.  Alllein  auch  das  Schwere  überwindet

  eine  feste  Disziplin  und  eine  echte  Treue.  »
Aaiser  Wilhelm.  13