Der  Feldzug  in  Baden.  195

legenheit  haben,  es  von  neuem  zu  sehen.  Denn,  meine  Herren,  wir  stehen
in  einer  bedeutenden  Krisis,  und  wenn  wir  sie  glücklich  durchmachen,
wird  es  wieder  die  Armee  sein,  die  das  Vaterland  rettet,  wie  sie  und
der  gesunde  Teil  des  Volkes  es  schon  einmal  gerettet  haben.  Und  so
übergebe  ich  ihn  Ihnen  in  der  Hoffnung,  daß  er  Gehorsam  lernen  wird,
um  einst  befehlen  zu  können.  Ich  hoffe,  er  wird  seinem  Namen  und
seiner  Armee  Ehre  machen.  Dafür  bürgt  mir  der  Geist,  den  Gott  in
ihn  gelegt  hat  —  nicht  wir.“

„Und  dann“,  fuhr  er  zu  dem  jungen  Prinzen  gewendet  fort,  „wünsche
ich  dir,  daß  du  dereinst  dasselbe  erfährst,  was  dein  Vater  erfahren  hat!
Meine  Herren,  ich  spreche  es  Ihnen  nochmals  aus  —  es  ist  die  schönste
Freude  meines  Lebens  gewesen,  zu  sehen,  wie  die  Treue  und  innige  Teilnahme
  meiner  Untergebenen  sich  in  schweren  Tagen  in  der  Nähe  und  in
der  Ferne  nicht  verleugnet  hat.  Und  so  thue  nun  deine  Schuldigkeit!“

Nur  kurze  Seit  noch  nach  dieser  Feier,  die  seinem  Herzen  wohl  that,
hielten  die  Derhandlungen  mit  den  deutschen  Königreichen,  denen  der
Thronfolger  nicht  fern  bleiben  konnte,  den  Hrinzen  in  Berlin  fest.  Am
7.  Juni  siedelte  er  in  die  Frühlingsherrlichkeit  und  Stille  seines  lieben
Babelsberg  über.  Allein  am  nächsten  Tage  schon  rief  ihn  des  Königs  Befehl
  wieder  fort,  der  ihm  den  Gberbefehl  über  die  am  Rhein  versammelten
zwei  preußischen  Corps  übertrug.  Denn  mit  Ernst  und  Nachdruck  galt  es
in  der  Hfalz  wie  in  Baden  die  gestürzte  Staatsordnung  wiederherzustellen.

Die  Nationalversammlung  in  Frankfurt  hatte  an  die  Regierungen,
die  gesetzgebenden  Körperschaften  und  die  Gemeinden  der  deutschen  Staaten
die  Aufforderung  gerichtet,  „die  Reichsverfassung  zur  Anerkennung  und  Geltung
  zu  bringen.“  Das  wurde  den  Radikalen,  welchen  die  bisherige  Bewegung
  viel  zu  langsam  gegangen  war,  zu  einem  gelegenen  Dorwande,  ihre
eigenen  Umsturzpläne  zu  betreiben.  Allerorten  suchten  sie  „für  die  Reichsverfassung“
  revolutionäre  Erhebungen  ins  Werk  zu  setzen.  Allein  kurzerhand
warfen  preußische  Truppen  in  Dresden  unter  Graf  Waldersee,  in  den  rheinischen
  Städten  unter  General  von  Hanneken  die  Aufstandsversuche  nieder.

Richt  so  gelang  dies  indessen  den  Bapern  in  der  Ofalz,  deren  leicht
bewegliche  Bewohner,  der  baprischen  HBerrschaft  abgeneigt,  die  aus  der
benachbarten  französischen  Republik  zuströmenden  aufreizenden  Ideen  begierig
  aufgenommen  hatten.  Eine  demokratische  Dolksversammlung  in
Kaiserslautern  beschloß  zum  Swecke  der  „Durchführung  der  Reichsverfassung“
  allgemeine  Dolksbewaffnung,  Steuerverweigerung  und  Beschlagnahme
  der  öffentlichen  Kassen.  Es  wurde  eine  provisorische  Regierung

eingesetzt,  der  die  Beamten  ohne  weiteres  sich  unterwarfen,  und  durch
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