196  Viertes  Kapitel.

das  ganze  Land  der  Aufruhr  entzündet.  Sahlreiche  Jäger,  Infanteristen
und  Chevauxlegers  schlossen  sich  den  Aufständischen  an;  nur  in  der
Festung  Germersheim  behauptete  sich  der  General  von  Weishaupt  mit
2500  Mann,  und  in  Landau  General  von  Zeetze  mit  einigen  100  Bapern
und  einer  Schwadron  badischer  Dragoner.

Von  der  Pfalz  griff  die  Bewegung  nach  Zaden  hinüber,  das  wie
kein  andres  deutsches  Land  durch  Dolksversammlungen,  Ausschüsse,
Agenten  unterwühlt,  überdies  dem  doppelten  nachbarlichen  Einflusse  der
französischen  wie  der  schweizerischen  Republik  preisgegeben  war.  Die
Behörden  wurden  außer  Thätigkeit  gesetzt,  die  Militärgefangenen  befreit
und  durch  elende  Derführungskünste  und  Freibier  die  badischen  Soldaten
bis  auf  die  Dragoner  in  Landau  zum  schimpflichen  Treubruche  verleitet.
Der  sehr  wohlgesinnte  Großherzog  Leopold  hatte  die  Reichsverfassung
nicht  nur  angenommen,  sondern  auch  Beamte  und  Heer  darauf  vereidigen.
lassen.  So  fehlte  den  Revolutionsmännern  hier  selbst  dieser  fadenscheinige
Vorwand.  Gleichwohl  ging  die  Rauptstadt  wie  die  Landesfestung  Rastatt
zu  ihnen  über,  und  der  badische  Landesausschuß  schloß  mit  dem  pfälzischen
  am  17.  Mai  ein  Schutz=  und  Trutzbündnis.  Sugleich  wurden
Agenten  ausgesandt,  um  das  Revolutionsfeuer  auch  in  den  NWachbarländern
  zu  entfachen.  Swar  von  Hessen-Darmstadt  war  nicht  viel  zu  hoffen,
da  die  starke  preußisch-österreichische  Zesatzung  von  Mainz  allen  Erhebungsgelüsten
  einen  heilsamen  Respekt  einflößte,  so  daß  nur  einzelne
Scharen  der  Hessen,  wie  die  unter  Sitz  und  Bamberger,  den  Aufständischen
  zuzogen;  aber  in  Württemberg  ging  die  Bewegung  auch  schon
in  hohen  Wogen.

Das  Frankfurter  Darlament  hatte  aus  eigener  Mlachtvollkommenheit
eine  Reichszentralgewalt  eingesetzt,  welche  auch  von  den  meisten  deutschen
Staaten  anerkannt  war.  An  diese  Reichszentralgewalt  wandte  sich  Großherzog
  Leopold,  der,  um  nicht  in  die  Hände  der  Insurgenten  zu  fallen,
in  das  feste  Germersbeim  sich  zurückgezogen  hatte,  mit  der  Bitte  um
Beistand.  Diese  entbot,  was  sie  von  Truppen  aufzubringen  vermochte:
ein  Corps,  so  buntscheckig,  daß  es  an  die  Seiten  des  heiligen  römischen
Reiches  deutscher  Tation  gemahnen  mochte.  Seine  Zauptkraft  waren
die  Kontingente  Hessen-Darmstadts  und  Alecklenburgs.  Mit  der  Führung.
wurde  der  frühere  Zeichskriegsminister  von  Heucker  betraut.  Unmöglich
aber  konnte  dies  Teckarcorps  ausreichen,  den  Aufstand  zu  überwinden.
Es  vereinten  sich  mit  der  badischen  Regierung  daher  die  baprische  und
die  hessische,  um  auch  ihrerseits  durch  die  Reichszentralgewalt  Beistand
zu  erhalten.  Diese  indes,  am  Ende  ihrer  Hilfsmittel,  verwies  sie  auf