198  Viertes  Kapitel.

linken  Flügel  reichte  es  bis  Mannheim,  mit  seinem  rechten  im  badischen
Odenwalde  bis  Eberbach.

Ihm  stand  das  Reichscorps  gegenüber,  18000  Mann  mit  24  Geschützen
  und  9  Schwadronen  stark.  Zwischen  Kreuznach  und  Neun—
kirchen  rückte  das  1.  preußische  Corps  (Hirschfeld)  gegen  die  Pfalz  vor,
20  000  Mann  mit  50  Geschützen  und  15  Schwadronen  zählend,  während
das  2.  preußische  Corps  (Gröben),  15000  Mann  mit  530  Geschützen  und
16  Schwadronen  stark,  bei  Frankfurt  Stellung  nahm.

Es  war  also  die  dem  Hrinzen  von  Hreußen  zur  VDerfügung  gestellte
Truppenmacht  mit  Einschluß  des  Reichscorps  doppelt  so  stark  wie  die  der
Aufständischen;  überdies  war  sie  auch  ohne  Sweifel  an  militärischer
Tüchtigkeit  den  Gegnern  überlegen.  Dennoch  war  die  Aufgabe  des
Drinzen  keine  leichte.  Die  unbedeutendste  Niederlage  mußte  den  Feinden
großen  Suzug  zuführen.  Die  Sympathien  der  Bevölkerung  waren  noch
ganz  den  Insurgenten  zugewendet.  Begreiflich  ist  daher  der  Wunsch,  den
er  dem  altbewährten  Freunde  Natzmer  aussprach,  daß  die  aufrührerischen
Gegenden  noch  etwas  länger  den  Sustand  genießen  möchten,  „in  den  sie
sich  aus  sogenannter  Deutschtümelei  versetzt  haben,  d.  h.  in  die  Republik,
damit  sie  von  selbst  diesen  Alp  abzuwälzen  wünschen  möchten."  Sben
wegen  dieser  Sympathie  erhielten  die  Aufständischen  alle  Nachrichten,
deren  sie  bedurften,  und  konnten  sich  in  vorher  gewählten  Stellungen
schlagen,  die  überdies  von  der  Zkatur  sehr  begünstigte  waren.  Ferner
mußte  der  Hrinz  dafür  sorgen,  daß,  wo  einmal  seine  Truppen  durchmarschiert
  waren,  auch  die  Aufständischen  wirklich  völlig  vertrieben  waren;
sonst  konnte  er  durch  ein  Wiederaufflackern  des  Aufstandes  sich  leicht  genötigt
  sehen  nach  zwei  Seiten  Front  zu  machen.  Er  mußte  daher  zur
Beruhigung  der  durchschrittenen  Gegenden  und  zur  Wiederherstellung  geordneter
  Sustände  allenthalben  Truppen  zurücklassen  und  dadurch,  je
weiter  er  vorrückte,  um  so  mehr  seine  Truppenkräfte  schwächen.

All  diesen  Rücksichten  mußte  der  Feldzugsplan  des  Prinzen  gerecht
werden.  In  Mainz  traf  er  am  12.  Juni  mit  den  Generalen  Gröben
und  Peucker  zusammen  und  entwickelte  ihnen  hier  seine  Idee,  das  gesamte
  Insurgentenheer  in  den  Winkel  zwischen  dem  rechten  RZhein=  und
dem  linken  Neckarufer  hinein  zu  manövrieren  und  dort  gefangen  zu
nehmen.  Zu  dem  Ende  sollte  das  1.  Corps  (Hirschfeld)  in  konzentrischen
Märschen  unter  steten  Gefechten  die  Hfälzer  Szupades  und  die  Freicorps
Schimmelpfennigs,  Blenkers  und  von  Willichs  über  den  Rhein  treiben
und  nach  erfolgter  Säuberung  der  Pfalz  den  Rhein  bei  Germersheim
am  21.  Juni  überschreiten.  Bis  zu  diesem  Tage  sollte  auch  das