200  Viertes  Kapitel.

2.  Corps  (Gröben)  das  Neckarcorps  in  seinen  Stellungen  abgelöst  haben,
um  dann  die  Badener  Mieroslawskis  in  der  Front  anzugreifen  und  dem
in  ihrem  Rücken  erscheinenden  Hirschfeld  zuzutreiben.  Peucker  fiel  dabei
die  Aufgabe  zu,  weiter  oberhalb  den  Neckar  zu  überschreiten  und  durch
starken  Druck  auf  den  rechten  Flügel  Mieroslawskis  dessen  Entweichen  in
den  Odenwald  zu  verhüten.  Die  Absicht  des  Prinzen  war  klar,  die
Übermacht,  welche  er  hatte,  voll  zu  gebrauchen  und  methodisch  auszunutzen.
  Wem  könnte  da  die  Übereinstimmung  entgehen,  welche  dieser
Hlan  unter  im  großen  ähnlichen  Derhältnissen  mit  dem  Hlane  der
Schlacht  von  Sedan  zeigtd  Freilich  dort  an  der  Maas  gelang  er  vollständig,
  hier  am  Neckar  aber  nur  zum  Teil.

Von  Mainz  wollte  der  Hrinz  sich  nach  Kreuznach  begeben,  um  auch
Hirschfeld  mit  den  nötigen  Anweisungen  zu  versehen.  Die  Reise  geschal
in  zwei  Wagen,  in  deren  erstem  der  Hrinz  mit  dem  Major  von  Kirchfeld
  saß,  der  die  Stelle  eines  Generalstabschefs  bei  ihm  versah;  im
zweiten  Wagen  folgte  der  Flügeladjutant,  Bauptmann  von  Bopen.  Sben
hatten  die  Wagen  das  Dorf  Wieder-Ingelheeim,  15  Kilometer  von  Moainz,
passiert,  als  aus  dem  hohen  Getreide  zur  Seite  der  Landstraße  ein  Schuß
fiel.  Offenbar  galt  er  dem  Drinzen;  aber  da  die  Wagen  scharf  zufuhren,
so  ging  er  dem  Stangenpferde  des  zweiten  Wagens  durch  den  Hals  und
verwundete  den  Hostillon  am  rechten  Schenkel.  Auf  den  Schuß  achtete
der  Hrinz  gar  nicht;  als  ihm  aber  die  Derwundung  des  Dostillons  gemeldet
  wurde,  ließ  er  ihn  sofort  in  das  Dorf  zurückschaffen  und  setzte
ihm,  da  er  doch  an  seiner  Statt  die  Wunde  empfangen,  eine  lebenslängliche
  Pension  aus.  Auch  der  Thäter  wurde  schnell  gefaßt.  Es  war
ein  Tischlergeselle  aus  Nieder-Ingelheim,  der  unter  die  Freischärler  ge—
gangen  war,  aber  sich  jetzt  auf  Urlaub  in  seinem  Zeimatsdorfe  befand.
Indes  der  Hrinz  ließ  ihn  wieder  laufen.

Unter  den  Augen  des  Hrinzen  führte  General  von  Hirschfeld  prompt
den  ihm  obliegenden  Teil  des  Feldzugsplanes  aus.  Durch  das  Gefecht
  bei  Kirchheim-Bolanden,  dem  der  Hrinz  persönlich  beiwohnte,
flößte  er  Szuvade  und  dessen  Freischärlern  einen  solchen  Schrecken  ein,
daß  sie,  ohne  noch  einmal  Widerstand  zu  versuchen,  wie  in  einer  Treibjagd
  dem  Rhein  sich  zutreiben  ließen.  Ja,  viele  der  Freibeitskämpfer
flüchteten  schon  „vor  der  Seit“  in  ganzen  Scharen  sich  über  den  rettenden
  Rhein.

Am  20.  Juni  überschritt  auch  Hirschfeld  den  Strom  und  besetzte  mit
Moannschaften  der  1.  Division,  welche  am  nächsten  Tage  über  Waghäusel
auf  Mannheim  vorrücken  sollte,  Dhilippsburg,  Die  übrigen  Diovisionen