Die  Feldzug  in  Baden.  201

dagegen  hatten  Bruchsal  zum  Ziel.  So  sollte  den  Badenern  Mieroslawskis
der  Rückweg  verlegt  werden.  Schon  war  am  nächsten  Morgen  die
Avantgarde  der  1.  Division  bis  Waghäusel  vorgerückt,  als  —  etwa  um
8  Uhr  —  Mieroslawski  mit  seiner  gesamten  Armee  sich  auf  sie  warf.
Sehr  wacker  verteidigte  sich  die  kleine  Schar,  bis  von  Wiesenthal  her
das  Gros  der  Division  sie  aufnahm.  Aber  auch  jetzt  noch  war  die
Übermacht  Mieroslawskis  erdrückend:  langsam  wich  die  Division  auf
Dhilippsburg  zurück.  Der  Hrinz  von  Hreußen  befand  sich  bei  der  4.  Division.
  Deutlich  hörte  man  auf  dem  Marsche  den  Kanonendonner  herübertönen.
  Sofort  ließ  der  Hrinz  die  Division  nebst  vier  Bataillonen
Garde-Landwehr  und  dem  24l-Füsilier-Bataillon  in  der  Zichtung  auf
Wiesenthal  abrücken.  Das  entschied  das  Gefecht.  Sie  warf  Mieroslawski
mit  solchem  Machdruck  bei  Wiesenthal  zurück,  daß  er  sich  in  größter  Unordnung,
  viele  Bataillone  in  völliger  Auflösung,  auf  Beidelberg  zurückzog.
  Dort  stand  Graf  Gröben  ihm  gegenüber:  Zllieroslawski  saß  in  der
Falle.  Allein  nicht  rasch  genug  war  Heucker  mit  dem  Neckarcorps  nach
Südwesten  abgebogen.  Das  rettete  den  Holen.  Er  entschlüpfte  der  drohenden
  Umklammerung,  wie  der  Hrinz  schreibt,  „wie  ein  Kirschkern  zwischen
zwei  Fingern“.  Durch  den  Odenwald  über  Sinzig  entkam  er  mit  dem
Reste  seiner  Truppenmacht  und  stellte  sich,  gestützt  auf  die  Festung  Rastatt,
an  der  Murg  auf.  »

Eine  Abteilung  der  Insurgenten,  welche  bei  Karlsruhe  stand,  wollte
auf  die  Meldung  von  der  Bedrängnis  Mieroslawskis  diesem  über  Bruchsal
zu  Hilfe  eilen,  allein  bei  Upstadt  (am  23.  Juni)  traten  ihr  die  Preußen
entgegen.  Hirschfeld  hatte  auf  die  Meldung,  daß  der  geschlagene  Feind
den  Odenwald  gewonnen,  sofort  die  weitere  Verfolgung  desselben  gegen
Vorden  aufgegeben  und  suchte  nun  durch  einen  angestrengten  Südmarsch
auf  Karlsruhe  dem  Gegner  zuvorzukommen.  Aber  auch  Gröben  und
Peucker  setzten  sich  nach  Süden  in  Marsch:  die  beiden  preußischen  Corps
in  der  Rheinebene  gegen  die  Murglinie,  das  Neckarcorps  über  das  Gebirge
  im  Albthal,  um  erst  südlich  von  Rastatt  bei  Oos  den  Austritt  zu
nehmen.  Somit  sollte  es  dem  Feinde  den  Rückzug  verlegen,  während  die
beiden  preußischen  Corps  teils  durch  wirklichen  Übergang  über  die
Murg,  teils  durch  scheinbare  Übergangsversuche  den  Feind  nach  Rastatt
hineintrieben.  Deutlich  schimmert  in  diesem  Plane  des  Prinzen  der
Grundgedanke  der  Kämpfe  um  Wietz  hindurch:  aber  wiederum  gelang
er  nur  teilweise.  Swar  waren  alle  Maßnahmen  des  Oberkommandos
bis  ins  kleinste  durchdacht,  aber  der  Meldedienst  erwies  sich  als  durchaus
unzulänglich;  den  Führern  fehlte  es  auch  an  Kriegserfahrung.