202  Viertes  Kapitel.

Sehr  heftig  war  bei  Upstadt  der  Zusammenstoß  der  Gegner;  denn
jeder  von  beiden  glaubte  der  Eile  zu  bedürfen  und  verlangte  nach  rascher
Entscheidung.  Der  Prinz  befand  sich  überall  im  heftigen  Feuer,  so  daß
seine  Begleitung  ihm  Vorstellungen  machte,  die  Person  des  Höchstkom—
mandierenden  nicht  so  augenscheinlicher  Gefahr  auszusetzen.  Für  den
Moment  ritt  er  dann  wohl  ein  wenig  zur  Seite,  aber  gleich  darauf
trabte  er  so  ruhig,  als  hielte  er  sich  für  kugelfest,  wieder  mitten  durch
die  Schußlinien.  Dieses  gleichmütige  Verachten  der  Gefahr  wirkte  wahr—
haft  begeisternd  auf  die  Landwehr  ebenso  wie  auf  die  jungen  Cinien—
truppen.  Sie  schlugen  sich  vorzüglich,  als  strebten  sie  danach,  gerade
unter  den  Augen  des  Prinzen  Heldenthaten  zu  verrichten:  bis  sie
die  Freischärler  in  wilder  Unordnung  in  die  Flucht  jagten  und  Upstadt
besetzten.

Im  heftigsten  Feuer  hatte  die  rheinische  Landwehr  und  das  Bataillon
von  Iserlohn  gestanden.  Jetzt,  da  der  Sieg  gewonnen,  ritt  der  Hrinz
zu  ihnen  heran.  „Ich  danke  euch:  ihr  habt  eure  Schuldigkeit  gethan!“
sagt  er  zu  ihnen,  in  seinem  Munde  das  höchste  Lob.  Und  mit  einem
herzlichen  Hoch  dankten  ihm  die  bärtigen  Landwehrmänner.  Dann  ritt
er  weiter  zu  dem  Füsilierbataillon  des  20.  Regiments,  das  schon  zum
Biwakieren  sich  eingerichtet  hatte.  Auch  ihnen  sprach  er  seine  Sufriedenheit
  mit  ihrer  Haltung  im  Feuer  aus.  Hurral  riefen  die  Füsiliere  und
stimmten  in  mächtigem  Chore  an:  „Ich  bin  ein  Hreuße:  kennt  ihr  meine
Farben?“  Das  freute  den  Hrinzen  sichtlich;  er  reichte  den  Füsilieren,  die
sein  O-ferd  umringten,  die  Hand.  „Ihr  habt  sehr  recht“,  sagte  er,
„gerade  dies  Lied  zu  singen;  denn  ihr  habt  euch  als  brave  Hreußen
geschlagen.“

Noch  einmal,  bei  Durlach,  versuchten  die  Insurgenten  den  Hreußen
den  Weg  nach  Karlsruhe  zu  verlegen.  In  siegreichem  Gefecht  (am
25.  Juni)  trieb  der  Hrinz  die  Feinde  zurück;  dann  ließ  er  in  dem
Städtchen,  müde  und  hungrig,  wie  sie  waren,  Rast  machen.  Die
Einwohner  brachten  Brot  und  Wein  herbei.  Auch  der  Prinz  nahm
ein  Stück  Brot,  um  es  zu  essen.  Da  sah  er  den  begebrlichen  Blick
eines  hungernden  Soldaten  auf  sich.  „Da,  Kamerad,  iß  auch!“  sagte
er  freundlich,  brach  das  Brot  mitten  durch  und  reichte  dem  Soldaten
die  Rälfte.

Noch  am  Wachmittage  desselben  Tages  erreichten  die  Dreußen  Karlsruhe.
  Don  einer  glänzenden  Suite  umgeben  hielt  der  Hrinz  an  der  Spitze
seiner  siegreichen  Truppen  seinen  Einzug  in  die  wieder  aufatmende  Stadt.
Dann  ließ  er  die  preußischen  Bataillone  an  sich  vorüberziehen;  darauf