Der  Feldzug  in  Baden.  203

begab  er  sich  in  das  großherzogliche  Schloß.  Durch  einen  Tagesbefehl
sprach  er  seinen  Truppen  seine  vollste  Anerkennung  für  die  Tapferkeit,
die  sie  in  allen  Gefechten  bewiesen,  wie  für  ihre  Ausdauer  und  Hingebung
  aus.  „Auch  die  Anerkennung",  schloß  der  Befehl,  „des  Königs
und  des  Daterlandes  wird  uns  nicht  fehlen  da,  wo  die  preußische  Armee
von  neuem  ihren  alten  Ruhm  auf  so  ausgezeichnete  Weise  bewährt  hat.“

Am  27.  Juni  beschied  der  Hrinz  die  drei  kommandierenden  Generale
zu  sich.

Die  Aufständischen  beherrschten  noch  das  ganze  badische  Oberland.
Seit  ihrer  Tiederlage  bei  Wiesenthal  waren  sie  auf  Kastatt  zugeströmt,
hinter  dessen  Mauern  sie  Deckung  zu  finden  hofften.  Aber  die  Klügeren
waren  in  ganzen  Trupps  an  der  Festung  vorübergeeilt,  um  in  den
Bergen  Sicherheit  zu  suchen.  Swar  setzte  man  diesen  Flüchtlingen  nach,
um  sie  nach  Rastatt  zu  bringen;  aber  mit  den  Waffen  in  der  Hand
setzten  sie  sich  zur  Wehr  und  schossen  auf  die  eigenen  Genossen.  Immerhin
  umschloß  die  Festung  noch  gegen  20000  Mann.  Aber  greuliche
Sustände  herrschten  in  ihr.  Eine  wahnsinnige  Furcht  vor  den  Hreußen
bemächtigte  sich  der  Gemüter;  allenthalben  sah  man  Spione  und  Derrat.
Die  Disziplin  löste  sich,  da  die  aufständischen  Soldaten  meist  betrunken
waren.  Ein  Bürgerwehrmann  aus  der  Pfalz,  der  wegen  eines  Dienstvergehens
  in  das  Alrrestlokal  geführt  wurde,  wurde  auf  offener  Straße
als  angeblicher  Spion  ermordet.  Auch  der  preußische  Major  von  Hindersin,
  der  vor  einigen  Tagen  den  Insurgenten  in  die  Bände  gefallen
war,  wurde  aus  seinem  Gefängnis  hervorgeholt  und  in  der  gemeinsten
Weise  beschimpft.  Nur  die  Furcht  vor  der  Zache  der  Hreußen  rettete
ihm  das  Leben.

Um  das  Oberland  zu  behaupten,  hatten  die  Aufständischen  die  von
RNatur  starke  Hosition  an  der  Murg  besetzt.  Gegen  diese  beschloß  der
Drinz  seinen  nächsten  Angriff  zu  richten.  Er  wies  daher  Hirschfeld  an,
die  große  Straße  auf  Rastatt  zu  verfolgen;  Gräöben  sollte  zwischen  dieser
und  dem  Rheine  vorgehen  und  Heucker  endlich  durch  das  Gebirge  gegen
den  Murg-Übergang  bei  Gernsbach  vorstoßen.

Der  Widerstand  der  Insurgenten  indessen  war  heftiger,  als  man
erwartet  hatte.  Am  29.  Juni  entwickelte  sich  daher  ein  Kampf  auf  der
ganzen  Linie  von  Steinmauern,  Dölkersbach,  Muggensturm  und  Sttigheim
  auf  der  Rheinseite  bis  nach  Beutenthal,  Kuppenheim  und  Bischwerer
  am  Gebirge.  Gegen  15  000  Mann  mochten  die  Freischärler  stark
sein;  und  von  Rastatt  her  feuerten  die  schweren  Festungsgeschütze  auf  die
immer  näher  herandringenden  Hreußen.