204  Viertes  Kapitel.

Am  heftigsten  wogte  der  Kampf  bei  Bischweyer.  Der  Prinz  von
Preußen  begab  sich  daher  selbst  hierher  und  ritt  so  nahe  in  seinem  furchtlosen
  Gleichmut  an  die  Feinde  heran,  daß  mehreren  Offizieren  seines
Gefolges  die  Pferde  unter  dem  Leibe  erschossen  wurden  und  die  Kugeln
um  ihn  herumpfiffen,  bis  er  endlich  langsam  das  Pferd  wandte.

Im  Verlaufe  des  Gefechtes  gelang  es  den  Insurgenten,  sich  des
Dorfes  Bischweyer  zu  bemächtigen.  Mit  Artilleriefeuer  beschossen  sie
die  in  der  Nähe  haltende  Reservekavallerie  des  1.  preußischen  Corps.
Da  das  Gelände  einen  Kavallerieangriff  völlig  unmöglich  machte,  so
ging  die  Kavallerie  im  Schritt  zurück.  Halbwegs  zwischen  Bischweyer
und  Muggensturm  stand  auf  einer  Markscheide  des  Feldes  ein  Bildstöckl,
eine  steinerne  Säule,  die  oben  in  zierlich  gemeißeltem  Schrein  ein  Heiligen—
bild  trägt.  Als  hier  die  Kavallerie,  von  den  Kugeln  des  Feindes  beworfen,
  vorüberkam,  hielt  der  Drinz  vor  dem  Bildstöckl,  es  genau  betrachtend.
  „Dor  meiner  Abreise“,  sagte  er  zu  dem  neben  ihm  haltenden
Rofmarschall  Grafen  Hückler,  der  als  Gberstleutnant  im  24.  Landwehrregiment
  den  Feldzug  mitmachte,  „habe  ich  für  die  Stelle  am  Ravelufer
meines  Harks  von  Babelsberg  ein  Bildwerk  bestellt,  das  sich  dort  sehr
gut  ausnehmen  würde.  Hat  dies  Bildstöckl  nicht  ungefähr  die  Form,
die  ich  jener  Derzierung  wünsched“  Der  Graf  bejahte  die  Frage.  Und
der  Prinz  musterte  die  Einzelbeiten  des  Bildwerks,  unbekümmert  um  die
Kugeln,  die  rings  umher  einschlugen;  dann  erst  folgte  er  langsam  der
Kavallerie.

Man  erzählte  dem  Großberzog  Leopold  von  dieser  todverachtenden
Kaltblütigkeit  des  Hrinzen,  der  sich  überall  in  Gottes  Hand  wußte.  War
der  kleine  und  doch  so  bezeichnende  Dorgang  nicht  wert,  dem  Gedächtnis
aufbewahrt  zu  werdend  Als  der  Großherzog  daher  im  Herbste  in  Gemeinschaft
  mit  dem  Hrinzen  das  Schlachtfeld  von  Bischwever  besichtigte,
blieb  er  vor  dem  Bildstöckl  halten,  indem  er  den  Hrinzen  bat,  das  Bildwerk
  als  eine  Erinnerung  an  Baden  zum  Geschenke  anzunehmen.  So  ist
es  denn,  auf  einer  Hlatte  mit  dem  eisernen  Kreuze  und  dem  Datum  des
20.  Juni  1840  versehen,  am  Havelufer  im  Babelsberger  Dark  aufgestellt,
während  dort  an  der  Markscheide  des  Bischweprer  Feldes  eine  schlichte
RNachbildung  die  denkwürdige  Stätte  bezeichnet,  wo  der  Drinz  seine
Oreußen  den  Tod  zu  verachten  lehrte.

Unterdessen  stellte  die  Infanterie  des  1.  Corps  der  Hreußen  durch
die  Eroberung  von  Bischwever  das  Gefecht  wieder  und  warf  dann  durch
gesammelten  Angriff  das  Sentrum  der  langen  feindlichen  Kampflinie  auf
Rastatt  zurück.  Das  gleiche  Schicksal  hatte  auch  der  rechte  Flügel  der-