206  Viertes  Kapitel.

selben.  Die  Reichsarmee,  das  Corps  Peuckers,  traf  am  Mittag  des  29.
vor  Gernsbach  ein.  Allein  die  Insurgenten  hatten  die  Häuser  auf  dem
rechten  Murgufer  besetzt  und  beschossen  von  diesen  aus  die  vordringenden
Gegner.  Mit  Brandgranaten  antwortete  Peucker,  so  daß  bald  18  Häuser
in  Flammen  standen  und  die  Aufständischen  zurückgehen  mußten.  Das
Geschrei,  umgangen  zu  sein,  erhob  sich,  und  schnell  artete  der  Rückzug  in
wilde  Flucht  aus.  Erst  unter  den  Wällen  von  Rastatt  machten  sie  Halt,
wenigstens  für  die  Nacht;  am  nächsten  Morgen  aber  eilten  sie  weiter,
wer  nur  konnte,  um  auf  der  Straße  über  Oos  das  Oberland  zu  gewinnen.
  Ganze  Bataillone  verweigerten  den  Gehorsam,  um  nach  Mos
zu  entrinnen.  Wenn  hier  ihnen  Peucker  entgegentrat,  den  Rettungsweg
ihnen  sperrend,  so  war  der  Feldzug  zu  Ende.  Aber  die  Reichsarmee  be—
fand  sich  selbst  in  schlechter  Verfassung;  wohl  marschierte  sie  nach  der
Weisung,  die  ihr  geworden,  auf  Oos  zu,  war  aber  —  wie  ein  Augen—
zeuge  sie  beschreibt  —  „in  verworrenem  Zuge,  durch  die  Verpflegung
gehindert,  sowie  auch  durch  die  Bagage,  und  die  Soldaten  zum  Teil  betrunken“,
  am  Mittag  erst  bis  Baden  gelangt,  wo  Heucker  sie  im  Harademarsch
  an  sich  vorübermarschieren  ließ,  um  wieder  etwas  Disziplin
in  die  Bataillone  zu  bringen.  So  entging  ihm  auch  diese  Gelegenheit
wieder,  den  fliebenden  Feind  abzuschneiden.  Tur  das  kleine  Corps
des  Oberstleutnants  Morenhoffen  sandte  er  nach  Oos  voraus.  Hier  hatten
aber  die  Freischärler  inzwischen  das  Dorf  und  die  benachbarten  Höhen
besetzt,  empfingen  mit  UÜbermacht  das  Corps  und  warfen  es  nach
kurzem  Kampfe  zurück,  sogar  eine  Kanone  erbeutend.  So  blieb  für  die
flüchtenden  Insurgenten  der  Weg  über  Oos  frei,  und  unbekümmert
um  die  Befehle  ihrer  Offiziere  zogen  die  Freischärler  auf  ihm  eilends
von  dannen.

Für  den  Hrinzen  von  Hreußen  ergab  sich  daraus  die  Motwendigkeit,
seine  Streitkräfte  zu  teilen:  Zirschfeld  hatte  die  fliehenden  Feinde  zu  verfolgen,
  während  Gröben  Rastatt  cernierte.

Die  aufgelösten  Massen  der  Insurgentenarmee  wandten  sich  meist
nach  Freiburg,  von  wo  Sigel,  Mieroslawski  im  Oberbefehl  wieder  ablösend,
  die  Truppen,  Waffen  und  Dorräte  auf  das  Schweizer  Gebiet
füllren  wollte.  Allein  die  in  Freiburg  anwesenden,  früher  badenschen
Truppen  zogen  es  vor,  um  Amnestie  bittend,  dem  General  von  Hirschfeld
ihre  freiwillige  Unterwerfung  anzubieten.  Tun  war  Freiburg  nicht  mehr
zu  halten:  am  7.  Juli  besetzten  die  Hreußen  die  Stadt.  Heucker  hatte
unterdessen  Konstanz  erreicht,  so  daß  binnen  wenigen  Tagen  jetzt  die  ganze
badische  Grenze  teils  mit  preußischen,  teils  mit  Reichstruppen  umzogen