Der  Feldzug  in  Baden.  207

war.  Aber  die  meisten  Führer  des  Aufstandes  waren  schon  vorher  darauf
bedacht  gewesen,  sich  in  Sicherbeit  zu  bringen.

Jetzt  trat  zu  allgemeiner  Überraschung  auch  Esterreich  mit  dem
Wunsche  hervor,  zwar  nicht  an  dem  Kampfe,  wohl  aber  an  dem  Siege
teilzunehmen:  es  schickte  sich  an,  ein  Truppencorps  in  Baden  einrücken  zu
lassen,  um  einen  Teil  des  Großherzogtums  zu  besetzen  und  daraufbin  bei
der  Entscheidung  über  das  Schicksal  des  befreiten  Landes  mitzusprechen.
Mit  Wachdruck  indessen  trat  diesem  Unterfangen  der  Hrinz  von  Hreußen
entgegen.  Er  verbat  sich  mit  so  viel  höflicher  Bestimmtheit  jede  Einmischung
  Gsterreichs  in  die  badischen  Angelegenheiten,  daß  Esterreich  doch
für  gut  befand,  auf  seinen  Wunsch  zu  verzichten.

Aber  doch  war  der  Feldzug  noch  nicht  zu  Ende:  Rastatt  befand  sich
noch  in  den  Händen  der  Aufständischen.  Gegen  6000  Wann  lagen  in
der  Festung  zusammengepreßt,  Freischärler,  Soldaten,  Bürgerwehren,  dazu
Abenteurer,  zumal  aus  Holen,  und  Frankreich,  meist  über  die  Lage  der
Dinge  absichtlich  getäuscht  und  voll  Hoffnung  baldigen  Entsatzes.  Das
Gröbensche  Corps  hielt  die  Festung  in  weitem  Girkel  eingeschlossen;  bei
ihm  hatte  jetzt  der  Hrinz  sein  Hauptquartier.  Täglich  besichtigte  er  die
Stellungen  der  Truppen  und  besuchte  die  Biwaks.  Da  stellte  im  Zauptquartier
  in  Baden  der  Romandichter  Rackländer  sich  ein,  der  durch  seine
humoristischen  „Bilder  aus  dem  Soldatenleben  im  Frieden“  in  militärischen
Kreisen  wohlbekannt  war.  Er  hatte  im  Bauptquartier  Radetzkys  den
Feldzug  der  Esterreicher  in  Gberitalien  mitgemacht;  jetzt  kam  er  auch
nach  Zaden,  um  Studien  für  Bilder  des  Soldatenlebens  im  Kriege  zu
machen.  Freundlich  gewährte  der  Drinz  von  Hreußen  ihm  die  erbetene
Audienz.

„Man  kann  sich  leicht  denken“,  erzählt  Hackländer,  „wie  ehrenvoll
und  wohlthuend  es  für  mich  war,  von  dem  hohen  Beerführer  freundlich
angeredet  und  empfangen  zu  werden,  von  einem  Mann,  zu  dem  ich  schon
vor  längeren  Jahren,  als  ich  noch  als  Soldat  die  preußische  Uniform
trug,  gleichwie  alle  meine  Kameraden,  mit  Liebe  und  angeborener  Derehrung
  aufgeblickt.  Der  Hrinz,  eine  schöne,  hochgewachsene  Gestalt,  hat
einen  freundlichen,  heiteren,  außerordentlich  gewinnenden  Gesichtsausdruck,
lebhafte  Augen  und  spricht  mit  tiefer,  klangvoller  Stimme.  Gekleidet
war  er  in  die  einfache  Generalsuniform,  und  im  Knopfloche  trug  er  das
in  den  Befreiungskriegen  wohlerworbene  Eiserne  Kreuz.“

Der  Prinz  befragte  Hackländer  in  der  ihm  eigentümlichen  liebenswürdigen
  Weise  über  den  letzten  italienischen  Feldzug;  die  österreichische
Armee  und  die  Persönlichkeit  des  Feldmarschalls  Radetzky,  indem  er  sich