208  Diertes  Kapitel.

mit  großer  Anerkennung  sowohl  über  den  Heerführer  wie  über  die
Truppen  ausließ.  Darauf  stellte  er  den  Poeten  dem  jungen  Prinzen
Friedrich  Karl  vor,  der,  bei  Wiesenthal  verwundet,  den  Arm  noch  in  der
Schlinge  trug.  Lächelnd  bemerkte  er  bei  der  Vorstellung,  eigentlich  sei
Rackländer  ein  nicht  ganz  würdiges  Mitglied  der  preußischen  Armee  gewesen;
  denn  er  habe  sich  erlaubt,  in  seinem  Soldatenleben  im  Frieden
manches  aus  dem  inneren  Dienste  komischer  zu  behandeln  und  darzustellen,
als  es  wirklich  wäre.  Manche  Schwäche  desselben  habe  er  schärfer  als
notwendig  hervorgehoben,  überhaupt  etwas  stark  aus  der  Schule  geschwatzt.

„Allerdings“,  entgegnete  Hackländer,  „Königliche  Hoheit,  fühle  ich
mich  schuldig;  aber  ich  bin  gewiß,  jetzt,  wo  es  den  Ernst  des  Militär—
lebens  gilt,  mit  voller  Wahrhaftigkeit  über  die  braven  preußischen  Truppen
auch  mit  dem  allerbösesten  Willen  so  schreiben  zu  müssen,  daß  mich  kein
Tadel  treffen  kann.“

Den  Gefsechten  der  preußischen  Truppen  gegen  die  Aufständischen
hatte  Hackländer  nicht  beigewohnt;  was  er  hier  im  Lager  sah,  war  ihm
charakteristisch  für  den  Geist,  der  die  Truppen  erfüllte.  Und  darauf  —
das  war  der  Eindruck  —  war  der  Einfluß  des  Oberfeldberrn  von  tiefgreifender
  Bedeutung.  „Der  Hrinz  von  Hreußen“,  sagt  er,  „ist  ein  vollkommener
  Soldat,  umsichtig,  unerschrocken,  von  festem  Tharakter,  für  seine
Untergebenen  in  jeder  Hinsicht  sorgend.  Und  durch  diese  Vorzüge  besitzt
er  die  Anhänglichkeit  und  Suneigung  der  ganzen  Armee.  Denn  wenn
auch  in  der  preußischen  Armee  ebenso  wie  in  allen  anderen  Dersuche  gemacht
  worden  sind,  die  Soldaten  in  Oflicht  und  Treue  zum  Wanken  zu
bringen,  so  hat  der  Name  des  Hrinzen  als  ihres  Führers  gewiß  dazu  beigetragen,
  daß  der  Eid  der  Soldaten  unbefleckt  blieb  und  daß  jeder  getreu
  der  Fahne  folgte.  Die  preußische  Disziplin  spricht  sich  ebenso  im  Gefechte
  und  im  Dienste  aus,  wie  in  den  Freistunden;  und  die  Artigkeit  und
Suvorkommenheit  der  Soldaten  im  Lager  kann  man  wahrhaft  musterhaft
nennen.  Dor  allem  betragen  sich  die  Landwehren,  lauter  ältere,  gesetzte
Leute,  außerordentlich  gut,  sowie  sich  auch  diese  eine  Seitlang  in  radikalen
Blättern  mit  großer  Freude  als  zweifelhaft  verschrieenen  Truppen  vortrefflich
  geschlagen  haben.“

Unterdessen  erfüllte  sich  das  Geschick  Rastatts.  Der  Hrinz  wünschte
die  Festung  zur  Ergebung  zu  bringen,  ohne  zu  den  äußersten  Gewaltmitteln
  schreiten  zu  müssen.  Denn  eine  regelrechte  Belagerung  würde
nicht  nur  durch  die  Serstörung  der  Festungswerke  einen  Herlust  von
Millionen  zur  Folge  gehabt  haben,  sondern  sie  würde  auch  das  Blut
vieler  braver  Soldaten  gekostet  Raben.  Der  Hrinz  hielt  daher  eine  Cer-