210  Viertes  Kapitel.

giebt!“  Mit  einem  freudigen  Hoch  auf  ihren  König  antworteten  die
Bataillone.

Die  festgesetzte  Stunde  der  Kapitulation  war  da.  Die  Thore  der
Festung  öffneten  sich,  und  heraus  bewegte  sich  der  lange  Zug  der  die
Gnade  des  Siegers  anrufenden  Insurgenten.

„Ich  will  diese  Leute  nicht  sehen!“  sagte  der  Prinz  mit  unmutigem
Ton  und  ritt  von  dannen.

Mit  klingendem  Spiele  rückten  die  auf  Gnade  und  Ungnade  sich
Ergebenden  heran.  Auf  Befehl  der  Preußen  mußte  indes  die  Musik
schweigen.  Vor  der  Front  der  Sieger  hatten  sie  ihre  Waffen  nieder—
zulegen;  dann  wurden  sie  —  es  waren  immer  noch  5600  Mann  —
abteilungsweise  in  die  Festung  zurückgeführt  und  dort  in  den  Kasematten
als  Gefangene  untergebracht.  Um  6  Uhr  zogen  die  Sieger  in  die
Stadt  ein.

Durch  die  Kapitulation  kam  auch  der  Major  Hindersin  vom
Generalstabe  der  Reichsarmee  wieder  frei.  Man  hatte  ihm  in  der
Festung,  als  man  ihn  frei  ließ,  statt  seines  eigenen  Säbels  den  eines
Dragoners  gegeben.  Er  meldete  sich  jetzt  bei  dem  Höchstkommandierenden.
Sobald  der  Prinz  das  Fehlen  des  Hortepees  bemerkte,  schlang  er  sein
eigenes  los  und  gab  es  Hindersin  als  ein  Seichen  der  Achtung  für  den
wackeren  Offizier.  ·

Der  Krieg  war  zu  Ende.  Die  Pfalz  wie  Baden  waren  von  den
Insurgentenscharen  befreit  und  ihrer  rechtmäßigen  Regierung  zurückgegeben.
Noch  von  dem  Schlosse  Favorite  aus,  wo  in  den  letzten  Tagen  das  große
Hauptquartier  gewesen  war,  erließ  der  Prinz,  seinen  Truppen  zu  danken,
einen  Armeebefehl.  „Euch,  tapfere  Kriegsgefährten“,  heißt  es  darin,
„gebührt  der  Ruhm  dieser  Erfolge,  den  ihr  unter  dem  treuen  Beistande
eurer  deutschen  Brüder  des  Zeckarcorps  errungen  habt!  Eurem  Mut,
eurer  Ausdauer  und  Hingebung  für  die  gerechte  Sache,  zu  der  der  Befehl
unsers  Königs  uns  ins  Feld  rief,  ist  es  zu  verdanken,  daß  in  so  kurzer
Seit  zwei  Länder  euch  ibre  Befreiung  von  Willkür  und  Gesetzlosigkeit
verdanken.  Während  in  euren  Reihen  Sucht,  Ordnung  und  Geborsam
herrschten,  habt  ihr  gesehen,  was  aus  einer  Truppe  wird,  in  der  diese
Erfordernisse  eines  wohldisziplinierten  Heeres  fehlen,  namentlich  wenn
dazu  noch  der  Dorwurf  des  Gewissens  tritt,  seinem  Herrscher  und  dessen
Fahnen  den  Eid  freventlich  gebrochen  zu  haben.  Während  ihr  in  Treue
gegen  König  und  Daterland  beharrtet,  während  Vorgesetzte  und  Untergebene
  in  Oflichterfüllung  wetteiferten,  folgte  der  Sieg  unsern  Fahnen.
Mit  Stolz  sehe  ich  auf  eine  Armee,  der  es  unter  Gottes  Beistand  be-