Der  Feldzug  in  Baden.  211

schieden  war,  den  alten  wohlgegründeten  Kriegsruhm  Preußens  zu  er—
neuern.“

Und  mit  der  gleichen  Bescheidenheit  trat  der  sieghafte  Prinz  dem
Fürsten  gegenüber,  den  sein  Schwert  allein  wieder  auf  den  Thron  Badens
zurückgeführt  hatte.  Am  18.  August  hielt  der  Großberzog  Leopold  an
der  Seite  des  Drinzen  von  Hreußen  seinen  Einzug  in  Karlsruhe,  die  ihm
wiedergegebene  Zauptstadt.  Die  Feier  hatte  etwas  Wehmütiges.  Freudig
riefen  die  Bürger  ihrem  wiederkehrenden  Landesberrn  Willkommen  zu,
aber  in  den  Augen  vieler  flimmerten  Thränen.  Holl  warmer  Empfindung
  sprach  der  Großherzog  öffentlich  dem  Hrinzen  seinen  Dank  aus
und  überreichte  ihm  das  Großkreuz  des  badischen  Militärverdienstordens.
Leicht  hätte  in  diesem  Dorgange  etwas  Demütigendes  für  den  Großherzog
liegen  können;  aber  diesen  Schein  verlor  der  Akt  vollständig  durch  die
Raltung  des  Hrinzen,  der  —  nach  dem  Berichte  eines  Augenzeugen  —
„mit  seinem  bewundernswerten  Takte  und  seiner  anspruchslosen  Bescheidenheit
  nur  wie  der  General  dastand  und,  in  diesem  Sinne  antwortend,
  alles  abwies,  was  ihn  hätte  als  den  Thronerben  jener  Macht
erscheinen  lassen,  die  Baden  eben  unter  ihre  Fittiche  genommen.“

Das  ist  eben  das  Charakteristische  in  der  Bescheidenheit  des  Hrinzen,
daß  er  mit  Freudigkeit  und  sichtlicher  Genugthuung  bereit  war,  das  Derdienst
  der  anderen  zu  preisen;  aber  der  Anerkennung  seines  eigenen  Ver—
dienstes  entzog  er  sich  sorgsam,  so  daß  mancher  obenhin  Urteilende  1870
wohl  Moltke  auf  Kosten  König  Wilbelms  erhoben  hat.  Bier  in  Baden
aber  stand  dem  Hrinzen  überbhaupt  kein  Moltke  zur  Seite,  sondern  nur
ein  Major  des  Generalstabes  (von  Kirchfeldt),  der  schwerlich  einem  Manne,
der  in  55  Friedensjahren  rastlos  an  seiner  militärischen  Ausbildung  gearbeitet,
  viel  gute  Ratschläge  hat  geben  können.  Und  dann,  welches
Licht  wirft  der  Umstand  auf  die  Oberleitung  der  Kriege  von  1866  und
1870—71,  daß  der  Grundgedanke  dieser  Kriege,  den  Feind  durch  sorgfältig
  vorbereitete  Umfassung  zu  erdrücken,  schon  in  dem  badischen  Feldzuge
  deutlich  hervortritte  Mit  Klarheit  weist  diese  Übereinstimmung
darauf  hin,  daß  König  Wilhelm  in  einem  viel  höberen  Grade  die  strategische
  Oberleitung  auch  der  großen  Kriege  geführt  hat,  als  seine  bis
zur  Ungerechtigkeit  gegen  sich  selbst  gesteigerte  Bescheidenheit  es  jemals
hat  zugeben  wollen.  Sehr  recht  hat  daher  Russell,  der  englische  Seitungskorrespondent,
  mit  sicherer  Beobachtung  1870  zu  betonen,  daß  König
Wilhelm  in  einem  Grade  wirklicher  „Oberfeldherr“  gewesen  sei,  wie  nicht
leicht  jemand  vor  ihm.  Auch  darauf  ist  endlich  noch  hinzuweisen,  wie  der
Prinz  von  Hreußen  es  1840  verstanden  hat,  die  ihm  angebotene  Rilfe  öster-147

