212  Viertes  Kapitel.

reichischer  Truppen  in  einer  diplomatisch  wie  militärisch  gleich  richtigen
Weise  abzulehnen,  ohne  daß  ein  Ratgeber  ihm  zur  Seite  gestanden  hat.

Mit  lauter  Freude  begrüßte  den  heimkehrenden  Sieger  das  dankbare
Vaterland.  Am  Abend  des  11.  Oktober  traf  er  in  Potsdam  ein,  wo
der  König  an  der  Spitze  der  Potsdamer  Offiziercorps  ihn  auf  dem  Bahnhofe
  empfing.  Zunächst  begleitete  er  den  königlichen  Bruder  nach  Sanssouci,
  dann  aber  ritt  er  nach  Babelsberg  hinüber,  die  in  Sehnsucht  seiner
harrende  Gemahlin  und  das  Kinderpaar  zu  begrüßen.

Am  nächsten  Morgen  kam  er  nach  Berlin.  Mit  Gewinden  von
Eichenlaub,  mit  Blumen  und  Lorbeerkränzen  war  sein  Halais  Unter  den
Cinden  festlich  geschmückt;  und  drinnen  harrten  Deputationen  der  städtischen
  Zehörden  Berlins,  des  Abgeordneten=  und  des  Herrenhauses,  die
Rofstaaten  und  die  Mkinister,  ihre  huldigende  Begrüßung  dem  Hrinzen
darzubringen.  „Hreußen  darf  stolz  darauf  sein“,  sagte  Graf  Schwerin,
der  Dräsident  des  Abgeordnetenhauses,  „daß  es  sein  Thronfolger  war,
der,  während  er  unsere  brave  Armee  zum  Siege  führte  gegen  Aufruhr
und  Derrat,  gleichzeitig  sich  einen  Hlatz  erwarb  in  dem  Herzen  der  deutschen
  Bruderstämme,  die  zu  einer  innigeren  Dereinigung  zu  führen  und
damit  die  Macht  und  Größe  Deutschlands  auf  dauerhafter  Grundlage
aufzubauen,  Hreußens  Beruf  für  die  Sukunft  ist.“  ·

„Die  großen  Gefahren“,  erwiderte  der  Prinz,  „in  denen  das  Vater—
land  geschwebt  hat,  sind  noch  nicht  vorüber.  In  Preußen  sind  sie  durch
die  moralische  Macht  zurückgedrängt  worden;  in  Baden  hat  es  geschehen
müssen  durch  die  Gewalt  der  Waffen.  Mein  persönlicher  Anteil  dabei
ist  nicht  hoch  anzuschlagen;  mit  einer  Armee  wie  die  unsrige  kann  man
des  Erfolges  sicher  sein.  Sie  ist  das  Mittel,  die  Gefahren  gänzlich  zu
überwältigen.  Daß  sie  dies  im  stande  ist,  dafür  bürgt  ihr  trefflicher  Geist,
ihr  Mut,  ihre  Disziplin  und  die  gute  Haltung,  die  sie  stets  bewahrt  hat.“

Wer  könnte  die  tiefe  Bedeutung  dieser  Worte  verkennen?  Sie  wiesen
Schwerin  auf  die  Armee  hin.  Der  badische  Feldzug  galt  dem  Prinzen
nur  als  ein  Anfang  zur  Lösung  der  deutschen  Frage;  und  wenn  es  nicht
anders  sein  könne,  so  war  er  entschlossen,  frohen  Mutes  noch  einmal  in
den  Krieg  für  Preußen  und  Deutschland  hinauszuziehen.

Im  Nebensaale  stand  Rudolf  von  Auerswald  als  Präsident  an  der
Spitze  der  Deputation  des  Herrenhauses.  Er  sprach  zu  dem  Prinzen
von  dem  Wege,  den  dieser  an  der  Spitze  eines  treuen  und  tapferen
Beeres  zur  Befreiung  Deutschlands  von  schweren  Gefahren  ruhmvoll
vollendet  habe.  „Die  Denksteine“,  fuhr  er  fort,  „welche  diesen  Weg
bezeichnen,  erzählen  nicht  allein  von  Kriegsthaten;  sie  sind  auch  jenen