Die  Jahre  der  Reaktion.  217

zustellen.  Zwar  erschienen  anfangs  nur  die  Vertreter  der  vier  König—
reiche,  Luxemburgs  und  Homburgs,  aber  bald  stellten  sich  auch  diejenigen
anderer  deutscher  Staaten,  ganz  unbekümmert  um  deren  Zugehörigkeit
zur  Union  in  Frankfurt  ein.  Vergebens  protestierte  Preußen  dagegen;
es  war  durchaus  entschlossen,  den  durch  Osterreich  wieder  ins  Leben  gerufenen
  Bundestag  nicht  anzuerkennen.  Aber  es  sah  sich  auch  durch
die  schleswig-holsteinische  Frage  von  Osterreich  getrennt.  Esterreich  trat
einfach  für  das  Besitzrecht  des  Königs  von  Dänemark  auf  die  Berzogtümer
  ein  und  wollte  den  Ausgleich  dem  neuen  Bundestage  überweisen.
König  Friedrich  Wilhelm  aber  wollte  den  Ausgleich  zwischen  den  Elbherzogtümern
  und  der  dänischen  Krone  durch  die  Bildung  einer  österreichisch-preußischen
  Kommission  unter  Hollmacht  aller  deutschen  Regierungen
  bewirken.  In  der  Sache  war  er  im  Grunde  mit  Ssterreich  einverstanden,
  da  auch  er  die  Wiederherstellung  der  königlichen  Autorität  in
den  Berzogtümern  wünschte,  aber  in  der  Wahl  der  Instanz  unterschied
er  sich  scharf  von  ihm.  Und  auch  Esterreich  erschien  dieser  Gegensatz
bedeutend  genug,  um  seiner  Meinung  durch  Truppenansammlungen  in
Böhmen  und  Dorarlberg  Nachdruck  zu  geben.

In  diesem  Gegensatze  der  beiden  deutschen  Großmächte  legte  König
Friedrich  Wilhelm  Gewicht  darauf,  die  Meinung  des  russischen  Kaisers,
seines  Schwagers,  für  sich  zu  gewinnen.  Kaiser  NMikolaus  indessen,  ein
Fürst  von  klarem,  aber  engem  Geiste,  war  mit  den  nationalen  Bestrebungen
seines  „phantastischen“  Schwagers  durchaus  nicht  einverstanden.  Er  mißbilligte
  die  freisinnige  Derfassung,  die  der  König  seinem  Lande  verlieben
hatte,  und  noch  herber  tadelte  er  es,  daß  dieser  auf  einer  solchen  Grundlage
  seine  Stellung  in  Deutschland  zu  erhöhen  suchte.  Don  Csterreich
war  er  wohl  ein  alter  Gegner,  aber  die  Entschiedenheit,  mit  der  es  die
freisinnigen  Bewegungen  in  Oberitalien  wie  in  Ungarn  niederzutreten
versucht  hatte,  imponierte  ihm.  Kein  geringerer  als  der  Hrinz  von
Dreußen  erhielt  den  Auftrag,  in  alter  Freundschaft  den  Saren  für  Hreußen
zu  gewinnen.  Dem  Major  Edwin  von  Wanteuffel  diktierte  der  König
selbst  die  Instruktion  für  den  Hrinzen.  Sie  gipfelte  in  der  Erklärung,
daß  er,  wenn  Osterreich  ihn  wegen  der  Union  angreifen  sollte,  auf  die
Neutralität  Rußlands  rechne;  sollte  aber  Rußland  auf  die  Seite  Esterreichs
treten,  so  täusche  er  sich  über  die  großen  Gefahren  nicht,  die  daraus  für
Dreußen  entstellen  würden;  aber  auch  wenn  er  dann  erliege,  so  erhebe  ihn
doch  das  Dertrauen  auf  die  Reinheit  seiner  Sache.

Der  Hrinz  begab  sich  nach  Schloß  Skierniewice  bei  Warschau,  wo
der  Kaiser  weilte.  „Weshalb  besorgt.  ihr  von  Esterreich  Feindseligkeiten  “