Die  Jahre  der  Reaktion.  223

Rede  auseinandersetzte:  er  sei  für  die  Mobilmachung  der  Armee;  denn
in  Waffen  gerüstet,  könne  Preußen,  ohne  Gefahr  für  seine  Ehre,  seine
Sprache  mildern  und  eine  Wachgiebigkeit  beweisen,  die  in  anderer  Lage
Schwäche  wäre.  Und  er  schloß  mit  der  Frage  an  das  Ministerium,  ob
es  bereit  sei,  diesen  Weg  mit  ihm  zu  gehen.  Bevor  indessen  noch  Graf
Brandenburg,  offenbar  durch  die  Schlußwendung  des  Königs  überrascht,
etwas  darauf  zu  erwidern  vermochte,  ergriff  der  Prinz  von  Hreußen  mit
Lebhaftigkeit  das  Wort.  Seinem  tapferen  und  geraden  Sinne  war  der
Gedanke  an  ein  Gurückweichen,  mochten  Dreußens  Forderungen  begründet
sein  oder  nicht,  unerträglich,  an  ein  Surückweichen  in  diesem  Augenblicke,
wo  im  Westen  schon  die  Truppen  Hreußens  und  seiner  Gegner  sich  gegenüberstanden,
  wo  im  COsten  die  beiden  Kaiser  Hreußen  vor  die  Wahl
zwingen  wollten:  Unterwerfung  oder  Krieg!  Die  RZaschheit,  mit  der  er
sprach,  verriet  seine  Erregung,  als  er  die  sofortige  Mobilmachung  der
Armee  forderte,  die  bewaffnete  Unterhandlung,  welche  jeden  Flecken  von
Dreußens  Schild  fernhalte,  die  allein  ehrenvolle,  die  allein  ausführbare,
die  einzige,  welche  die  Stimmung  des  Landes  und  der  Armee  für  sich
habe,  bei  der  Hreußens  Ehre  unverletzt  bleiben  werdel

Dies  Auftreten  des  Hrinzen  blieb  nicht  ohne  Eindruck,  besonders
auch  auf  Brandenburg  nicht,  der  ein  Mann  war  voller  Empfindung  für
Dreußens  Ehre.  Dennock  blieb  dieser  bei  seiner  Überzeugung,  daß  die
sofortige  Mobilmachung  einen  Krieg  entzünden  würde,  für  den  Hreußens
Kraft  nicht  ausreiche.  Der  König  forderte  demnach  die  Minister  auf,  im
Rebenzimmer  sich  miteinander  zu  besprechen.  Aber  als  sie  aus  diesem
zurückkehrten,  gab  Brandenburg  wiederum  die  Erklärung  ab,  daß  die
Majorität  nicht  im  stande  sei,  sich  für  die  Mobilmachung  auszusprechen;
indessen  auch  die  Minorität  beharrte  auf  ihrer  Ansicht.  Da  gab  denn
der  König  die  Entscheidung  dahin,  daß  er  zwar  die  Ansicht  der  Minori-=tät
  teile,  aber  entschlossen  sei,  der  Majorität  auf  ihre  eigene  Derantwortung
freie  Hand  zu  lassen,  indem  er  wünsche,  daß  sie  nicht  in  der  Sukunft  in
die  Lage  kommen  möchte,  den  heute  gefaßten,  nach  seiner  Überzeugung
verderblichen  Entschluß  zu  bereuen.

Damit  schloß  die  Sitzung,  die  eine  Wende  in  der.  Geschichte  Dreußens
bezeichnet.

Die  Nachgiebigkeit,  welche  HDreußen  bewies,  machte  indes  auf
Schwarzenberg  keinen  Eindruck:  nicht  eine  Dersöhnung  wollte  er,  sondern
eine  Demütigung.  Die  österreichischen  Rüstungen  wurden  daher  fortgesetzt,
  und  auch  die  baprischen  Exekutionstruppen  drangen  bis  gegen  die
Stellungen  der  preußischen  Truppen  in  Hessen  vor.  Hoch  lohte  in  Berlin