Die  Jahre  der  Reaktion.  229

tümer  durch  Rußland  als  eine  Schädigung  seiner  Interessen  empfand,
schloß  es  auf  dessen  Drängen  einen  Vertrag,  durch  den  beide  Mächte  für
die  Dauer  des  Krieges  sich  gegenseitig  ihr  Gebiet  garantierten.  Auf
Grund  dieses  Dertrages  verlangte  nun  aber  Ssterreich,  daß  für  seine
Interessen  auch  Hreußen  eintrete.  Mit  Entschiedenheit  wies  dies  indes
die  Sumutung  Esterreichs  zurück.  Dagegen  gelang  es  GEsterreich,  den
Deutschen  Bund  zum  Anschlusse  an  den  preußisch-österreichischen  Dertrag
zu  bewegen.  Durch  das  Abkommen  vom  2.  Dezember  übernahm  nun
aber  Esterreich  den  Westmächten  gegenüber,  an  dem  Angriffe  gegen  Rußland
  sich  zu  beteiligen.  „Mit  kühler  Würde“  lehnte  Hreußen  jedoch  den
Anschluß  an  diese  aggressive  Holitik  Gsterreichs  ab.  Wie  würde  sich  bei
diesem  Swiespalt  der  beiden  Großmächte  der  Deutsche  Bund  stellen?
Esterreich  beantragte  bei  dem  Bundestage  die  Mobilmachung;  allein
dieser  beschloß  sie  zwar,  doch  nur  zum  „Schutze  der  Unabhängigkeit  und
Unverletzlichkeit  Deutschlands“.  Das  war  eine  Tiederlage,  wie  sie  Gsterreich
  beim  Bunde  noch  niemals  erlitten  hatte.  Der  Bund  trat  auf  die
Seite  Dreußens.  Die  führende  Stellung  im  Bunde,  welche  Hreußen  dadurch
  erhielt,  bewahrte  es  mit  der  selbstbewußten  Erklärung,  daß  es
weiteren  Anträgen  Gsterreichs  gegenüber  mit  aller  Schärfe  die  Cinie  zu
ziehen  wissen  werde,  die  Hreußens  und  des  Bundes  Interessen  gegen
Gsterreich  abgrenze.  Es  duldete  nicht,  daß  der  Dräsidialmacht  ein  größerer
Einfluß  als  bisher  zugestanden  werde,  und  trat  nachdrücklich  dazwischen,
als  Esterreich  den  Versuch  wagte,  durch  SEinschüchterung  der  deutschen
Kleinstaaten  sich  deren  Stimmen  beim  Bunde  zu  sichern.  Dadurch  erschien
  es  wieder  als  der  Schirmvogt  der  Bedrängten,  während  Esterreichs
  Geltung  in  Deutschland  sichtbar  Einbuße  erlitt.  Durch  seine  Surückhaltung
  von  den  Plänen  der  Westmächte  bewahrte  es  zudem  sich  das
alte  freundliche  Derhältnis  zu  Rußland,  das  in  der  Sukunft  ihm  noch
gute  Früchte  tragen  sollte.

Durch  diese  neu  befestigte  Stellung  in  Deutschland  wurde  es  für
Oreußen  bedeutungsvoll,  daß  es  jetzt  auch  in  den  Süden  Deutschlands
Binübergriff.  Denn  den  königlichen  Dettern  in  Hreußen  hatten  die  hohenzollerschen
  Fürsten  von  Sigmaringen  und  Bechingen  ihre  Ländchen  am
Oberlaufe  der  Donau  abgetreten.  Das  brachte  die  Hreußen  dem  beweglichen
  deutschen  Süden  näher  und  half  mit,  die  altschwäbische  Abneigung
gegen  Hreußen  allmählich  zu  überwinden.  So  wurde  diese  Abtretung
ein  wertvoller  Ersatz  für  das  Fürstentum  Meuenburg  am  Jura,  dessen
Besitze,  durch  die  Umstände  gedrängt,  der  König  mit  widerstrebendem
Berzen  entsagt  hatte.