Sechstes  Kapitel.
Ehren-  und  Frendentage.

Im  Februar  1851  war  die  preußische  Armee  wieder  auf  den
Friedensfuß  gesetzt  worden,  und  der  Hrinz  von  Hreußen,  der  zu  ihrem
Befehlshaber  bestimmt  gewesen  war,  hatte  als  Militärgouverneur  der
Rheinlande  und  Westfalens  mit  seiner  Familie  nach  Koblenz  seine  Residenz
  verlegt.  Der  friedliche  Ausgang  des  preußisch-österreichischen  Widerstreits
  ermöglichte  ein  Unternehmen,  dessen  Großartigkeit  die  Welt  damals
in  Staunen  setzte.  Eine  allgemeine  Weltausstellung  in  London,  wie  noch
keine  dagewesen,  war  in  Aussicht  genommen,  und  wer  es  konnte,  rüstete
sich,  dem  friedlichen  Wettstreit  der  Tationen  beizuwohnen.  Gern  nahm
auch  der  Hrinz  von  Hreußen  die  Einladung  der  Königin  Dictoria  an,
mit  seiner  Familie  der  Eröffnungsfeier  beizuwohnen.

Freilich  die  reaktionär  Gesinnten  sahen  in  der  Welt-Industrieausstellung
nur  ein  Unternebmen,  das,  wenn  auch  nicht  zur  Beförderung  der  Demokratie
  ersonnen,  ihr  doch  in  der  schlimmsten  Weise  dienen  würde.  Denn
ein  Susammenfluß  aller  Revolutionäre  der  Welt  sei  in  London  zu  erwarten.
  Don  den  Harteihäuptern  wurden  daher  eranstaltungen  getroffen,
dem  Hrinzen  von  Hreußen  dringend  zu  empfehblen,  nicht  nach  London  zu
gehen,  damit  er  nicht  mit  den  Demokraten  in  irgendwelche  Berührung
käme.  Allein  diese  Winke  und  Warnungen  machten  auf  den  Hrinzen
gar  keinen  Eindruck.  Am  22.  April  1851  reiste  er  mit  seiner  Familie
von  Koblenz  ab,  machte  am  25.  dem  Fürsten  Anton  von  HBohenzollern=Sigmaringen
  in  Düsseldorf  einen  Besuch  und  traf  am  24.  in  Köln  ein.
Eine  Deputation  des  Gemeinderats  begrüßte  ihn  hier.  Ihr  PSprecher
sprach  von  den  Gefahren,  die  immer  noch  eine  düstere  Sukunft  in  ihrem
Schoße  berge.  Aber  mit  getroster  Suversicht  antwortete  ihm  der  Hrinz:
„Wir  stehen  allerdings  noch  auf  einem  Dulkan;  die  Gefahren  sind  noch
nicht  vorüber.  Wenn  sie  aber  zum  Ausbruch  kommen,  dann  haben  wir
eine  Macht,  auf  die  wir  uns  verlassen  können,  die  Armee.“  Aber  hieran