232  Sechstes  Kapitel.

knüpfte  er  die  Mahnung,  daß  mit  dieser  die  Bürgerschaft  zusammen
wirken  müsse,  „um  das  Vertrauen  zwischen  König  und  Volk  zu  be—
festigen.“

Über  Brüssel  und  Dover  wurde  die  Reise  fortgesetzt;  am  Nachmittage
des  20.  April  traf  der  Drinz  in  London  ein.  Im  Buckingham--Halaste,
wo  er  wohnte,  empfing  ihn  die  Königin  Dictoria  mit  dem  Hrinzgemahl.
Und.  mit  spympathischen  Worten  begrüßten  ihn  die  Seitungen.  „Man
freut  sich  Rier  allgemein",  schrieb  eine  derselben,  „den  edlen  Hrinzen  von
Dreußen  nebst  allen  Seinigen  als  Gäste  der  Königin  zu  dem  großen
Weltbegegnis  hier  anwesend  zu  sehen,  um  so  mehr,  als  es  allgemein  bekannt
  ist,  durch  welche  Dorspiegelungen  von  Gefahr  die  Räöflinge  in
Berlin  bemüht  gewesen  sind,  ihn  von  seinem  festen  Entschlusse  zurückzubringen.
  Er  hat  es  selbst  ausgesprochen,  daß  er  sich  unter  des  Rimmels
Schutz  überall  sicher  fühle.  Der  Engländer  ist  stolz  darauf,  daß  er  sich
dieser  Uberzeugung  in  dem  gegenwärtigen  Augenblick  auf  britischem  Boden
von  ganzer  Seele  bewußt  werden  wird.“

Am  1.  Wai  eröffnete  die  Königin  in  Gegenwart  ihrer  hohen  preußischen
  Gäste  die  Weltausstellung.  Mit  regem  Interesse  umfaßte  der
Drinz  die  großartige  Deranstaltung;  seine  besondere  Aufmerksamkeit  war
indessen  naturgemäß  der  deutschen  Ausstellung,  zumal  der  des  Sollvereins
zugewandt.  Täglich  besuchte  er  sie;  und  die  Aussteller  waren  bald  voll
Rühmens  über  seine  Geradheit  und  Freundlichkeit.

Ein  Besuch  des  näördlichen  England  reihte  sich  an  die  Londoner
Tage.  Dann  aber  rief  in  der  letzten  Maiwoche  die  Hflicht  den  Hrinzen
nach  Berlin.

Rauchs  herrliches  Werk,  das  Denkmal  Friedrichs  des  Großen,  war
vollendet  und  an  seinem  Hlatze  vor  den  Fenstern  des  Halais  des  Hrinzen,
da  wo  die  Lindenallee  Unter  den  Linden  anhebt,  aufgestellt.  Auf  den
51.  Mai  1851  befahl  der  König  die  feierliche  Enthüllung.  Wie  vor
11  Zahren  leitete  der  Hrinz  von  Hreußen  alle  militärischen  Anordnungen
dabei.  Er  traf  sie,  für  diesen  Tag  mit  dem  Kommando  des  Gardecorps
betraut,  genau  in  derselben  Weise,  wie  es  bei  der  Feier  der  Grundsteinlegung
  geschehen  war.  Alle  Fabnen  und  Standarten  der  Armee,  die
unter  des  großen  Königs  Regierung  schon  geführt  waren,  erschienen  in.
der  Aufstellung.  Den  Shrenplatz  hatten  diejenigen  inne,  die  mit  der
Säkularschleife  geschmückt  waren,  die  jüngsten  das  erste  Jahrzehnt  Friedrichs
des  Großen,  die  ältesten  die  Ruhmestage  des  Großen  Kurfürsten  vor
Augen  stellend.  Wie  spiegelte  in  dem  Schauspiel  die  ruhmreiche  Geschichte
  der  preußischen  Armee  sich  wider!