Ehren-  und  Freudentage.  233

Im  Auftrage  des  Königs  wohnte  sodann  der  Prinz  von  Preußen
im  Juni  bei  Lowicz  den  Manövern  der  russischen  Truppen  bei.  Im
Herbste  aber  finden  wir  ihn  in  der  Begleitung  des  Königs  in  dem  neu—
gewonnenen  hohenzollerschen  Ländchen.  Mit  historisch  nicht  recht  begründeter
  Hietät  sah  der  König  in  der  Burg  Hohenzollern  das  Stammschloß
  seines  Hauses,  während  das  Geschlecht  der  Solre  vielmehr  fränkischen
  Ursprungs  und  die  schwäbischen  Hohenzollern  nur  eine  jüngere
Seitenlinie  sind,  die  dem  Berg,  auf  dem  sie  ihre  Burg  erbauten,  den
VNamen  gegeben  haben.  Schon  im  Jahre  1850  hatte  sich  der  Prinz
von  Preußen  in  Hohenzollern  befunden  und  der  Grundsteinlegung  der
Burg  beigewohnt,  die  nach  dem  Willen  des  Königs  aus  Ruinen  zu  neuer
Herrlichkeit  erstehen  sollte.  Jetzt  nun  (am  25.  August  1851)  nahm  der
König  in  der  Burg  die  Zuldigung  der  beiden  jüngst  gewonnenen  Fürstentümer
entgegen,  durch  die  Oreußen  dem  Süden  Deutschlands  näher  gerückt  wurde.

Bei  all  diesen  Reisen  und  Aufträgen  begleitete  den  Drinzen  von  Dreußen
sein  Sohn,  der  Hrinz  Friedrich  Wilhelm,  der  in  jugendlicher  Schöne
und  kraftvoll  erblühender  Mannhaftigkeit  ein  junger  Siegfried  neben  dem
Dater  stand.  Die  offene  Freimütigkeit  seines  Wesens,  sein  Frohsinn  und
seine  Berzensgüte  gewannen  ihm  schnell  die  Herzen.  Auf  das  sorgfältigste
war  seine  Erziehung  geleitet  worden:  für  alles  Sdle  und  Hohe  empfand
er  das  lebhafteste  Interesse.  Darum  bielt  es  der  Hrinz  von  Hreußen
an  der  Seit,  den  Schlußstein  der  Erziehung  des  jungen  Orinzen  einzufügen,
  indem  er  dessen  oft  ausgesprochenen  Wunsch  erfüllte  und  in  den
Freimaurerorden  ihn  aufnahm.  Was  ihn  selbst  vor  Jahren  bestimmt,
in  den  Orden  einzutreten,  hat  der  Hrinz  in  einer  Sitzung  der  Loge
Ferdinand  zur  Elückseligkeit  in  Magdeburg  ausgesprochen:  „Ich  bin“,
sagte  er,  „dem  Maurerbunde  deshalb  gern  beigetreten,  weil  er  ein  Derein
von  Männern  jedes  Standes,  jedes  Alters  ist,  die  einen  edlen  Sweck
verfolgen.“  Jetzt  nun  —  am  5  NMovember  1855  —  lud  der  Hrinz
abends  um  5½  Uhr  eine  Anzahl  älterer  WMitglieder  aller  drei  Großlogen
in  Berlin  in  sein  Halais,  um  in  ihrer  Gegenwart  die  Anfnahme  seines
Sohnes  zu  vollziehen.  Ein  Saal  des  Halais,  war  zu  einem  freimaurerischen
  St.  Johannestempel  eingerichtet.  Dor  dem  Altare  nahmen,
maurerisch  bekleidet,  die  geladenen  Gäste  ihre  Aufstellung;  rechts  vom
Altare  stand  der  Drinz  von  Dreußen.  Durch  drei  Hammerschläge  voll.
endete  er  die  Aufnahme  des  jungen  Hrinzen,  indem  er  den  ersten  mit
den  Worten  begleitete:  „Kraft  der  Gewalt  und  der  Würde,  die  Ich  besitze“,
  den  zweiten:  „Dermöge  des  Beifalls  und  der  Einwilligung  der
hier  versammelten  und  auf  der  Oberfläche  des  Erdbodens  zerstreuten