236  Sechstes  Kapitel.

Indes  einwurzeln  sollte  sich  diese  Erkältung  nicht.  „Daher  gehe
ich“,  schreibt  er  dem  Herzoge,  „mit  meiner  Familie  zu  meiner  silbernen
Hochzeit  am  11.  Juni  nach  Berlin,  wodurch  der  Familienfrieden  hoffentlich
  hergestellt  ist.“  So  wurde  denn  die  silberne  Bochzeit  des  Hrinzen
von  Hreußen  in  Berlin  gefeiert.  Diele  herzliche  Beweise  von  Liebe  und
Anhänglichkeit  erhielt  das  Jubelpaar  an  diesem  Tage.  Die  Stadt  Berlin
veranstaltete  zu  Shren  des  hohen  Daares  ein  glänzendes  Fest  in  den
großartigen  Krollschen  Sälen,  welche  unendlicher  Jubel  durchtönte,  als
das  gefeierte  Haar,  von  den  beiden  blühend  herangewachsenen  Kindern
begleitet,  den  Königssaal  betrat.  Sum  Gedächtnis  des  festlichen  Tages
ließ  der  König  eine  Medaille  prägen,  die  auf  der  Horderseite  in  antiker
Gewandung  das  hobe  Silberpaar  vor  dem  Altare  des  Eymen  zeigt,  zur
Seite  die  fürstlichen  Kinder,  während  die  Rückseite  die  Bildnisse  des
Drinzen  und  der  Drinzessin  trägt.

Die  schöne  Hochzeitgedenkseier  stellte  nicht  nur  die  Familienharmonie
wieder  her,  sondern  sie  hatte  auch  darin  einen  schönen  Ertrag,  daß  zahlreiche
  Derehrer  des  Drinzen  von  Hreußen,  um  ihm  eine  Freude  zu
bereiten,  reichliche  Beiträge  an  den  Nationaldank  spendeten.  Denn  war
auch  „die  allgemeine  Landesstiftung  als  Nationaldank  zur  Unterstützung
der  vaterländischen  Deteranen  und  invaliden  Krieger  in  Dreußen“  schon
am  15.  Oktober  1851  ins  Leben  getreten,  so  kam  sie  doch  erst  zu  kräftiger
  Entwickelung,  als  mit  dem  11.  Juni  1854  auf  die  Bitte  des  Kuratoriums
  der  Drinz  von  Hreußen  das  Hrotektorat  übernahm.  Denn  er
liebte  es,  an  Freudentagen  der  Familie  seiner  Freude  durch  ein  besonderes
  reiches  Geschenk  an  den  Nationaldank  Ausdruck  zu  geben,  und  er
gab  damit  auch  weiteren  Kreisen  ein  ersprießlich  nachgeahmtes  Beispiel:
gab  es  doch  damals  noch  hilfsbedürftige  Deteranen  aus  den  Befreiungskriegen
  zu  Tausenden,  ja  selbst  einzelne  noch  aus  des  großen  Friedrichs
Seit.  Ende  1857  belrug  denn  auch  die  Jahreseinnahme  des  Kationaldanks
  schon  200  000  Thaler.

Auch  andern  gemeinnützigen  Unternehmungen  war  gern  das  Interesse
des  Drinzen  zugewandt.  Als  im  Oktober  1848  die  Berliner  gemeinnützige
Baugesellschaft  gegründet  wurde,  trat  der  Hrinz  sofort  als  Aktionär  in
dieselbe.  Denn  ihre  Aufgabe,  in  den  verschiedenen  Stadtteilen  und  Vorstädten
  Berlins  kleine,  aber  bequeme  Wohnungen,  zumal  für  Arbeiter,
zu  bauen,  sprach  ihn  sehr  an.  Er  übernahm  daher  später  auch  über
diesen  Derein  das  Hrotektorat  und  pflegte  in  Herson  als  Vorsitzender  die
Verhandlungen  der  jährlichen  Generalversammlungen  des  Dereins  zu
leiten.  —  Ebenso  übernahm  er  das  Hrotektorat  über  den  „wissenschaft-