240  Sechstes  Kapitel.

eines  so  national  und  zugleich  vorurteilsfrei  gesinnten  Fürsten,  wie  der
Großherzog  Friedrich  es  war,  um  die  Rand  der  jungen  Orinzessin  angenommen.
  Kiemand  von  der  Hartei  erschien  auf  der  HBochzeit,  zum
Seichen,  daß  die  Hartei  offen  mit  dem  Hrinzen  von  Hreußen  und  seiner
Familie  gebrochen  habe.  Man  konnte  indessen  nicht  bemerken,  daß  auf
den  Hrinzen  dies  Serschneiden  des  Tafeltuches  irgend  welchen  Eindruck
machte.  Mit  innigster  Freude  begrüßte  er  seinen  ersten  Enkel,  den  kleinen
Erbgroßberzog  Friedrich,  der  dem  jungen  großherzoglichen  Haare  am
0.  Juli  1857  geboren  war.

Rastlos  arbeitete  unterdessen  der  Hrinz  in  den  militärischen  Dingen,
in  deren  Förderung  er  seinen  eigentlichen  Beruf  setzte,  weiter.  Cängst
galt  er  ja  in  Hreußen  für  die  höchste  Autorität  in  allem,  was  die  Armee
betraf;  aber  auch  weit  über  Hreußen  hinaus  ging  sein  Ruhm  und  seine
Geltung.  Im  Herbst  1855  inspizierte  er  im  Auftrage  des  Deutschen
Bundes  das  äösterreichische  BZundeskontingent.  Bei  dieser  Gelegenheit  ließ
er  es  sich  nicht  nehmen,  das  ungarische  Infanterieregiment  Mr.  34,  das
unlängst  ihm  verliehen  war,  bei  der  Darade  vor  dem  Kaiser  Franz
Joseph  und  dem  ebenfalls  anwesenden  Kaiser  Mikolaus  in  Derson  vorüberzuführen.
  In  Wien  dann  zeigte  ihm  der  österreichische  Kaiser  selbst  seine
neue  Schöpfung,  das  kolossale  Arsenal,  das  Werkstätten  des  ganzen  Kriegsmaterials
  enthält,  und  erbat  sich  über  alles  des  Hrinzen  Urteil.  Kaum
war  er  von  hier  nach  Hreußen  zurückgekehrt,  so  trug  ihm  der  König  die
Revision  des  neuen  Erxerzierreglements  auf,  das  der  Generalleutnant
von  Werder  ausgearbeitet  hatte.  Und  nicht  lange  danach  erstieg  er  den
Gipfel  der  militärischen  Ehren:  am  20.  März  1854  ernannte  ihn  der
König  zum  Generaloberst  der  Infanterie  mit  dem  Range  eines  General-=feldmarschalls.
  Im  Cktober  desselben  Jahres  folgte  die  Ernennung  zum
Gouverneur  der  Bundesfestung  Mainz.

Ein  Jahr  danach  —  am  15.  Oktober  1855  —  waren  fünfzig  Jahre
verflossen,  seitdem  König  Friedrich  Wilhelm  zum  Offizier  in  der  preußischen
Armee  ernannt  war.  Dies  MWilitärdienstjubiläum,  wie  sich's  gebührte,
zu  feiern,  hatten  die  sämtlichen  Offiziercorps  der  Linie  wie  der  Landwehr
  einen  kostbaren  Infanteriedegen  anfertigen  lassen,  um  ihn  als
Buldigungsgabe  dem  MKönige  zu  übergeben.  Don  jedem  Armeecorps
kamen  deswegen,  deren  Glückwünsche  zu  überbringen,  Deputationen  nach
Dotsdam  und  baten  den  Hrinzen  von  Hreußen,  ihr  Sprecher  zu  sein.

Es  war  eine  weihevolle  Stunde,  als  der  Hrinz  an  der  Spitze  der
Deputationen  vor  den  König  trat,  den  die  deutschen  Fürsten  umgaben,
die  zur  Mitfeier  Berbeigekommen  waren.  „Vor  Eurer  KRöniglichen