Ehren=  und  Freudentage.  241

Majestät“"  —  hob  er  in  tiefer  Bewegung  an  —  „cstehen  die  Dertreter
Allerhöchst  Ihrer  Armee  in  einer  ungewöhnlichen  Art,  um  einen  ungewöhnlichen
  Akt  zu  vollziehen.  Mur  eine  unbegrenzte  Derehrung  zu
Eurer  Majestät  als  unserm  Könige  und  Kriegsherrn  und  die  so  oft  empfundene
  nachsichtsvolle  Gnade  Eurer  Moajestät  hat  uns  den  Mut  gegeben,
  so  zu  erscheinen.  Die  Armee  begeht  heute  den  Tag,  an  welchem
vor  einem  halben  Jahrhundert  Euer  Majestät  in  ihre  Reihen  traten  und
ihr  Waffengefährte  wurden:  ein  Seitabschnitt  voll  der  mächtigsten  Erinnerungen!
  Noch  war  kein  Jahr  verflossen,  als  Suer  Majestät  Seuge
sein  sollten  der  schwersten  Derhängnisse,  welche  über  die  Armee  und  das
Haterland  hereinbrachen.  Aber  Euer  Majestät  waren  dann  auch  Seuge,
wie  unser  Möniglicher  Vater  mit  fester  und  sicherer  Hand,  das  Alte  und
Unhaltbare  beseitigend,  eine  neue  Heeresverfassung  schuf,  gegründet  auf
Daterlandsliebe  und  Ehre.  Und  als  der  König,  dem  Euer  Majestät  in
dem  schwersten  Augenblicke  unsers  Lebens  den  Mamen  des  Heldenkönigs
beilegten,  nun  sein  Dolk  in  die  Waffen  rief,  da  waren  Ener  Wojestät
nicht  nur  Seuge,  sondern  heldenmütiger  Mitkämpfer  der  Thaten,  die  auf
ewige  Seiten  in  den  Annalen  der  preußischen  Armee  verzeichnet  stehen.

„Ein  in  dem  Augenublicke  der  Not  geschaffenes  Element  trat  nach
hergestelltem  Frieden  dem  stehenden  Heere  dauernd  und  festgegliedert  zur
Seite.  In  dieser  Armee  stiegen  Euer  Majestät  von  Stufe  zu  Stufe,  bis
die  Dorsehung  Allerhöchstdieselben  zu  unserm  Könige  und  Kriegsherrn
bestellte.  Mit  rastloser  Thätigkeit  und  Liebe  haben  seitdem  Euer  Wajestät
das  überkommene  Kleinod  Hreußens  gepflegt  und  seine  Entwickelung  gefördert.
  Und  als  eine  Seit  anbrach,  die  man  gern  aus  dem  Geschichtsbuche
  Hreußens  löschen  möchte,  da  stand  das  Heer  in  unwandelbarer
Treue  zu  Eurer  Majestät,  und  als  viele  von  uns  berufen  wurden,  Teile
desselben  gegen  den  Feind  zu  führen,  da  haben  die  jungen,  in  Eurer
Majestät  Schule  erzogenen  Krieger  sich  ihrer  Dorfahren  würdig  gezeigt;
und  der  Enthusiasmus,  mit  welchem  das  Dolk  Eurer  Mojestät  Ruf  zu
den  Waffen  folgte,  ist  Zürge,  daß  die  alte  Treue  zu  dem  angestammten
Könige  unangetastet  geblieben  ist,  daß  es  großer  Thaten  fähig  ist.  Dies
sind  die  beredtesten  Beweise  des  Dankes  eines  Dolkes  unter  Waffen  für
die  nie  erkaltende  Fürsorge  seines  HKöniglichen  Kriegsherrn.  Einen
schöneren  Tag  als  den  heutigen  aber  konnte  die  Armee  nicht  wählen,
um  aufs  neue  diesen  Dank  an  den  Stufen  des  Thrones  niederzulegen,
wo  sie  sich  Glück  wünscht,  daß  ihr  die  Dorsehung  den  ersten  ihrer  Waffengefährten
  ein  halbes  Jahrhundert  als  leuchtendes  Beispiel  kriegerischer

Tugend  voranstellte.  Als  Seichen  dieses  unbegrenzten  Dankes  wagt  es
Maiser  Wilhelm.  16