242  Sechstes  Kapitel.

die  Armee,  zu  den  Füßen  Eurer  Majestät  die  Waffe  zu  legen,  die  in  der
königlichen  Hand  ihres  Kriegsherrn  sie  zu  immer  neuem  Ruhme  und
Ehre  führen  wird.  Mit  dem  Rufe,  mit  welchem  wir  alle  jeden  Augen—
blick  bereit  sind,  unser  Blut  und  unser  Leben  für  Euer  Majestät  zu  opfern,
lege  ich  diese  Waffe  im  Namen  der  Armee  Eurer  Majestät  zu  Füßen:
Es  lebe  der  König!“

Mit  freudiger  Zustimmung  stimmte  die  glänzende  Versammlung  in
den  Ruf  ein.  Und  aus  tiefbewegtem  Gemüte  dankte  der  König  wie  für
das  Geschenk,  so  auch  besonders  dafür,  daß  die  Armee  es  ihm  überreichen
lasse  „von  dem  nahen  und  teuren  Verwandten,  der  wirklich  etwas
gethan  hat.“  Und  voll  Rührung  schloß  er  den  Bruder  in  seine  Arme.

Das  war  auch  für  den  Prinzen  ein  schöner  Tag;  aber  zu  einem
schöneren  wurde  ihm  doch  noch  der,  an  welchem  er  nicht  viel  über  ein
Jahr  später  sein  eigenes  Militärdienstjubiläum  beging:  der  1.  Januar
1857.  Denn  wer,  dem  die  Verhältnisse  es  gestatteten,  wäre  nicht  bestrebt
gewesen,  den  Ehrentag  zu  einem  Freudentage  ihm  zu  gestaltend  Von  selbst
brachte  der  Tag  es  damit  ans  Licht,  was  für  eine  wahre  und  warme
Verehrung  die  Preußenherzen  für  ihren  mannhaften  Prinzen  empfanden.

Schon  am  Morgen  überraschte  ihn  der  König  durch  die  Ernennung
zum  Chef  des  7.  Husarenregiments  in  Bonn;  zugleich  überreichte  er  ihm
einen  Degen  von  kunstvoller  Arbeit  und  großer  Kostbarkeit.  Das  Stichblatt
  desselben  zeigte  eine  Engelschar,  die  gleichsam  verteidigend  die  Hand
dessen  zu  schützen  scheint,  der  den  Degen  führt,  während  auf  der  Klinge
alle  Gefechte  eingeätzt  sind,  die  der  Prinz  mitgemacht  hatte.  —  Die  lange
Reihe  der  Deputationen  begann  diejenige  der  Armee,  die  ihm  einen
prachtvollen  silbernen  Ehrenschild,  57,5  Centimeter  im  Durchmesser  groß,
überbrachte.  Die  beiden  Feldmarschälle  der  preußischen  Armee,  Wrangel
und  Graf  Dohna,  trugen  diesen.  Zum  Sprecher  der  Deputation  machte
sich  der  König  selbst,  indem  er  mit  kurzen,  herzlichen  Worten  und  Wün—
schen  den  Prinzen  begrüßte.  In  warmer  Bewegung  erwiderte  ihm  der
Prinz:  „Du  hast  mir  heute  Morgen  schon  so  viele  Beweise  von  Liebe
und  Gnade  gegeben,  daß  mich  die  Ehre,  die  du  mir  jetzt  zu  teil  werden
lässest,  fast  überwältigt.  Denn  von  meinem  Könige  und  Kriegsherrn  im
Namen  der  Armee  ein  Zeichen  der  Anerkennung  zu  empfangen,  ist  ein
Glück,  wie  ich  es  weder  erwartet,  noch  je  zu  hoffen  gewagt  habe.  Wenn
es  wirklich  nicht  nur  deine  große  Gnade,  sondern  eine  Anerkennung  für
meine  Leistungen  in  deinem  Dienste  sein  soll,  so  kann  ich  nur  sagen,  daß
mein  Wille  stets  gewissenhaft  und  treu  war.  Daß  ich  aber  deine  Zu—
friedenheit  erreicht,  danke  ich  großenteils  den  hier  versammelten  Dertretern