Ehren-  und  Freudentage.  246

Prinz  1814  mitgemacht,  auf  der  andern  diejenigen  der  Kämpfe  in  Baden.
Die  goldene  Schleife  des  Kranzes  trug  die  Inschrift:  „Sr.  Königlichen
Hoheit  dem  Hrinzen  von  Hreußen,  dem  heldenmütigen  Kämpfer  für
Ordnung  und  Recht,  aus  Dankbarkeit  und  Derehrung  an  Scchstseinem
Militärjubiläum,  dem  1.  Januar  1857.“  „NRein,  meine  Herren“,  erwiderte
  der  Hrinz  der  Deputation,  „von  dem  Lorbeerkranz  kann  ich  nur
ein  Blatt  annehmen;  das  übrige  gehört  der  tapferen  preußischen  Armeel!“

Ein  festliches  Drunkmahl  in  der  Bildergalerie  des  Schlosses  vereinte
alle  diese  Festabordnungen  mit  dem  Hrinzenjubilar.  Bei  demselben  gab
der  König  dem  gemeinsamen  Wunsche  von  allen  und  für  alle  Ausdruck,
daß  in  dem  neu  beginnenden  Jahre  Glück  und  Segen  dem  Orinzen  folgen
möge,  der  „heute  den  echten  und  vollkommenen  RZitterschlag  durch  Helm,
Schild  und  Schwert  erhalten“  habe.

Den  Eindruck,  den  die  schöne  Jubiläumsfeier  auf  ihn  selbst  gemacht,
faßte  der  Prinz  in  einem  an  den  General  von  Noatzmer  gerichteten  Briefe
dahin  zusammen,  daß  er  schreibt:  „Jch  bin  weit  über  Erwartung,  Gebühr
  und  Derdienst  geebrt  worden.  Ich  nehme  demütig  hin,  was  man
mir  darbrachte,  wenn  es  das  Bekenntnis  eines  redlichen  Willens  ist,  den
ich  in  all  mein  Wirken  gelegt  habe;  das  Dollbringen  kommt  aber  doch
nur  von  —  dort  oben!“

Nur  wenige  Monate  danach  —  am  22.  Wärz  1857  —  beging
der  Hrinz  seinen  Geburtstag.  In  Koblenz  ganz  in  der  Stille  feierte  er
ihn;  es  war  der  sechzigste.  Der  Hrinz  hatte  die  Empfindung,  damit  auf
die  Schwelle  des  Greisenalters  getreten  zu  sein.  Wie  würde  der  Gedanke
  ihn  erschreckt  haben,  daß  noch  ein  volles  Dritteil  seines  Lebens  vor
ihm  lag,  nicht  ein  friedlicher  Lebensabend,  sondern  Jahrzehnte  voll  der
gewaltigsten  Anstrengungen  und  Erfolge,  während  er  meinte,  daß  nun
die  Seit  des  Wirkens  bald  für  ihn  würde  abgelaufen  sein.

Don  dieser  Stimmung  —  zugleich  ein  herrliches  Seugnis  erhabener
Seelengröße  und  edlen,  frommen  Sinnes  —  giebt  uns  eine  Aufzeichnung
Kunde,  die  er  am  10.  April  1857  in  Koblenz  niederschrieb:

„Im  Glauben  ist  die  HBoffnung!“

Befiebl  dem  Berrn  deine  Wege  und  hoffe  auf  ihn,  er  wird  es  wohl
machenl!

Herr,  dein  Wille  geschehe  im  Himmel  wie  auf  Erden!  —

Wenn  diese  Schrift  in  die  Hände  der  Meinigen  fällt,  gehöre  ich  zu
den  Abgeschiedenen!

Möchte  es  mir  vergönnt  sein,  in  meinen  letzten  Lebensstunden  meinen
Geist  den  Händen  meines  Gottes  zu  empfehlen!