260  Erstes  Kapitel.

Wohl  der  Krone  sei  von  dem  des  Landes  unzertrennlich  und  müsse  auf
gesunder,  kräftiger  konservativer  Grundlage  beruhen.  Vicht  von  sogenannten
liberalen,  in  Wahrheit  überspannten  Jdeen  dürfe  die  Regierung  sich  fort
und  fort  in  das  Unbestimmte  treiben  lassen;  die  wahre  Staatsweisheit  bestehe
in  richtiger  Erkenntnis  der  vorhandenen  Bedürfnisse,  in  Wahrheit,  Gesetzlichkeit
  und  Konsequenz.  Dann  werde  eine  Zegierung  stark  sein,  weil  sie
ein  reines  Gewissen  und  damit  das  Recht  habe,  allem  Bösen  kräftig  zu
widerstehen.

Hierauf  ging  der  hohe  Redner  auf  die  einzelnen  Verwaltungszweige
ein,  indem  er  das  Derhalten  der  bisherigen  Regierung  einer  einschneidenden
  Kritik  unterwarf.  „Eine  der  schwierigsten  und  zugleich  zartesten  Fragen,
die  ins  Auge  gefaßt  werden  muß“  —  sagte  er,  nachdem  er  einen  kurzen
Blick  auf  die  inneren  Derhältnisse,  die  Finanzen,  den  Handel  und  die
Justiz  geworfen  —  „ist  die  kirchliche,  da  auf  diesem  Gebiete  in  der  letzten
Seit  viel  vergriffen  worden  ist.  Sunächst  muß  zwischen  beiden  Konfessionen.
eine  möglichste  Harität  obwalten.  In  beiden  Kirchen  muß  aber  mit
allem  Ernste  den  Bestrebungen  entgegengetreten  werden,  die  dahin  abzielen,
  die  Religion  zum  Deckmantel  politischer  Bestrebungen  zu  machen.
In  der  evangelischen  Kirche  —  wir  können  es  nicht  leugnen  —  ist  eine
Orthodoxie  eingekehrt,  die  mit  ihrer  Grundanschauung  nicht  verträglich
ist  und  die  sofort  in  ihrem  Gefolge  Heuchler  hat.  Diese  Orthodoxie  ist
dem  segensreichen  Wirken  der  evangelischen  Union  hinderlich  in  den  Weg
getreten,  und  wir  sind  nahe  daran  gewesen,  sie  zerfallen  zu  sehen.  Die
Aufrechterhaltung  und  ihre  Weiterbeförderung  ist  mein  fester  Wille  und
Entschluß,  mit  aller  billigen  Berücksichtigung  des  konfessionellen  Standpunktes,
  wie  dies  die  dahin  einschlagenden  Dekrete  vorschreiben.  Um
diese  Aufgabe  lösen  zu  können,  müssen  die  Organe  zu  deren  Durchführung
  sorgfältig  gewählt  und  teilweise  gewechselt  werden.  Alle
Reuchelei,  Scheinheiligkeit,  kurzum  alles  Kirchenwesen  als  Mittel  zu.
egoistischen  Swecken  ist  zu  entlarven,  wo  es  nur  möglich  ist.  Die  wahre.
Religiosität  zeigt  sich  im  ganzen  Verhalten  des  Menschen;  dies  ist  immer
ins  Auge  zu  fassen  und  von  äußerem  Gebaren  und  Schaustellungen  zu.
unterscheiden.  Nichtsdestoweniger  hoffe  ich,  doß,  je  höher  man  im  Staate
steht,  man  auch  das  Beispiel  des  Kirchenbesuches  geben  wird.

„Der  katholischen  Kirche  sind  ihre  Rechte  verfassungsmäßig  festgestellt.
  Übergriffe  über  diese  hinaus  sind  nicht  zu  dulden.

„Die  Armee  hat  Hreußens  Größe  geschaffen  und  dessen  Wachstum
erkämpft;  ihre  Dernachlässigung  hat  eine  Katastrophe  über  sie  und  dadurch
  über  den  Staat  gebracht,  die  glorreich  verwischt  worden  ist  durch