264  Erstes  Kapitel.

strebte,  Kunde.  Darauf  schrieb  ihm  voll  herzlicher  Zustimmung  Prinz
Albert:  „Du  hast  nur  Deine  Pflicht  als  Unterthan,  als  Prinz  und  als
Ehrenmann  erfüllt.  —  Die  Stellung  des  Regenten  ist  die  des  Moderators,
und  daß  du  bereit  bist,  sie  nach  allen  Seiten  hin  mit  Festigkeit  zu  üben,
wird  dem  Ganzen  vom  wesentlichsten  Nutzen  sein.“

Und  nun  trat  das  Ereignis  ein,  das  mehr  als  alles  für  Fürst  und
Volk  den  Januar  1859  zu  einem  Glücksmond  machte.  Dem  Kronprinzen
wurde  am  27.  ein  Sohn  geboren:  Kaiser  Wilhelm  II.,  unser  jetzt
regierender  Herr.  Dadurch  wurde  das  stille,  innige  Familienglück
des  jungen  fürstlichen  Elternpaares  auf  den  Gipfel  erhoben,  und  mit
herzlicher,  frommer  Freude  begrüßte  der  Prinzregent  seinen  zweiten  Enkelsohn:
  auf  zwei  Generationen  war  die  Thronfolge  in  Preußen  festgestellt!
Swar  war  die  Entbindung  schwer  und  einen  Moment  selbst  das  Leben
des  kleinen  Hrinzen  in  Gefahr  gewesen:  um  so  inniger  aber  war  der
Jubel,  als  alles  zu  glücklichem  Ausgange  sich  wandte,  in  der  königlichen
Familie  wie  in  dem  ganzen  preußischen  Dolke.  101  Kanonenschüsse  erdröhnten
  vom  Lustgarten  herüber,  mit  brausendem  Jubel  von  der  Bevölkerung
  begrüßt.  Zu  Tausenden  staute  sich  die  Menge  vor  dem  den
Berlinern  so  lieben  Halais  König  Friedrich  Wilhelms  III.,  das,  stattlich
ausgebaut,  jetzt  von  dem  Kronprinzen  bewohnt  wurde.  TKicht  enden
wollten  die  Hochs  und  Hurras;  jubelnd  stürmten  die  Studenten  aus  der
gegenüberliegenden  Universität  herbei  und  warfen  ihre  Mützen  in  die
Luft,  so  daß  wieder  und  wieder  der  Kronprinz  auf  den  Balkon  heraustrat,
  um  für  die  begeisterten  Glückwünsche  zu  danken:  glückwünschende
Rochrufe,  in  denen  sich  ebenso  sehr  frohe  Roffnungen  für  den  jungen
Drinzen,  wie  die  warm  empfundene  Dolksbeliebtheit  seines  Daters,  des
Kronprinzen,  wie  die  ehrliche  und  herzliche  Verehrung  des  Hrinzregenten
Luft  machte.  Und  wer  hätte  nicht  den  freudigsten  Hoffnungen  für  einen
Hrinzen  sich  rückhaltslos  hingeben  sollen,  den  der  fürstliche  Dater  gelobte,
in  denselben  „Gesinnungen  und  Gefühlen  zu  erziehen,  die  ihn  selbst  an
das  Daterland  ketteten“,  dem  der  Großpvater  ein  so  leuchtendes  und  wirksames
  Dorbild  auf  dem  Throne  gabd  Und  wer  hätte  in  seinem  Herzen
nicht  einstimmen  mögen  in  die  frohe  feierliche  Weise,  die  in  vollen
Hosaunentönen  durch  die  Abendschatten  von  der  Kuppel  des  königlichen
Schlosses  herabklang:  „Lobe  den  Herren,  den  mächtigen  König  der  Ehrenl!"“