266  Zweites  Kapitel.

thuung,  daß  ihm  der  Hrinzregent  beistimmte,  die  Zurücknahme  dieser  Ver—
träge,  durch  die  Osterreich  sich  Übergriffe  in  eine  fremde  Machtsphäre
erlaube,  sei  zu  wünschen  und  zu  erstreben.  Aber  war  zu  erwarten,  daß
sterreich  bloßen  Vorstellungen  nachgeben  würde?  Die  sympathische
Aufnahme,  die  sein  Schmerzensschrei  bei  dem  Prinzregenten  gefunden,
wenn  dieser  auch  nichts  anderes  als  Reformen  der  teils  despotischen,
teils  stagnierenden  Verwaltung  der  italienischen  Kleinstaaten  im  Sinne
hatte,  veranlaßte  Cavour,  zu  Weihnachten  1858  den  Marchese  Pepoli
nach  Düsseldorf  zu  dem  Fürsten  von  Hohenzollern  zu  senden,  um,  wenn
es  möglich  wäre,  bei  der  Ähnlichkeit  der  Cage  Preußens  zu  Deutschland
und  Sardiniens  zu  Italien  den  Abschluß  eines  preußisch-sardinischen  Bünd—
nisses  zu  erlangen.  Auch  der  Fürst  gab  seiner  Sympathie  für  Sardinien
offenen  Ausdruck,  lehnte  aber  mit  Bestimmtheit  es  ab,  durch  die  Übernahme
  irgend  welcher  Verpflichtung  die  freie  Bewegung  der  preußischen
Politik  einzuengen.  So  setzte  denn  Cavour  auf  die  Zukunft  seine  Hoff—
nung.  „Die  Alliance  Preußens  mit  Piemont“,  meinte  er,  „ist  mit  breiten
TLettern  eingeschrieben  in  das  Buch  der  zukünftigen  Geschichte!“  Und  so
unrecht  hatte  er  damit  nicht.

Da  erfolgte  am  1.  Jannar  1859  die  berüchtigte  Teujahrsbegrüßung,
durch  die  der  Kaiser  Tapoleon,  mit  dem  Könige  Diftor  Emanuel  von
Sardinien  verbündet,  die  Kriegserklärung  Gsterreichs  veranlaßte.  Die
Schwüle  wich,  die  Lage  der  Dinge  klärte  sich.  In  einem  ausführlichen
Schreiben  an  den  Hrinzgemahl  vom  2.  Februar  1850  sprachk  sich  der
Drinzregent  über  die  Seitlage  aus  und  über  die  Stellung,  die  sich  für
Dreußen  daraus  ergebe.  „Die  Gefahr  der  Zevolutionskriege",  schreibt
er,  „liegt  nahe,  daß,  im  Falle  den  französischen  Waffen  der  Sieg  verbliebe,
  diese  dann  bald  gegen  Deutschland  und  Hreußen  gerichtet  werden
würden,  wenn  diese  neutral  geblieben  wären  und  Esterreichs  désastres
ruhig  mitangesehen  hätten.  —  Aber  gesetzten  Falls,  sterreich  bleibt  siegreich
  gegen  eine  franco-italienische  Alliance,  werden  Deutschland,  also  auch
Hreußen,  Suschauer  bleibend  Wie  stiegen  Gsterreichs  Aktien  in  der  Welt
und  vor  allem  in  Deutschland!  Kann  dies  Hreußen  gleichgültig  sein  92“

„Jch  spreche  meine  Uberzeugung  aus,  daß  wir  in  nicht  zu  langer
Zeit  für  unsere  Existenz  gegen  Esterreich  werden  fechten  müssen“,  hatte
schon  drei  Jahre  zuvor  Herr  von  Bismarck,  der  scharfsichtig  urteilende
Bundestagsgesandte  Dreußens,  an  den  Minister  von  WManteuffel  geschrieben.
  Er  sah  in  GEsterreich  den  gefährlichsten  Gegner  Dreußens.
Es  mußte  daher  als  ein  Osterreich  günstiger  Umstand  gedentet  werden,
daß  er  jetzt  aus  Frankfurt  abberufen  und  als  Botschafter  nach  St.  Heters-