Auswärtige  Angelegenheiten.  267

burg  versetzt  wurde.  Aber  auch  sein  Nachfolger,  Herr  von  Usedom,  ein
Gesinnungsgenosse  der  neuen  Minister  Preußens,  war,  von  warmer  Sym—
pathie  für  Italien  eingenommen,  sterreich  wenig  gewogen.  Indes  er
stand  bald  in  Frankfurt  ziemlich  vereinsamt  da.  Denn  COsterreich  hatte,
seit  es  zum  Kriege  entschlossen  war,  es  sich  angelegen  sein  lassen,  nicht
bloß  die  Oresse  Süddeutschlands  für  sich  zu  gewinnen,  sondern  stellte  auch
an  allen  deutschen  Höfen  es  als  eine  selbstverständliche  patriotische  Oflicht
der  Fürsten  dar,  für  Esterreich,  die  Dormacht  Deutschlands,  mit  ganzer
RBeeresmacht  in  dem  bevorstehenden  Kriege  einzutreten.  Es  hatte  damit
weitgehenden  Erfolg;  als  unumstößliche  Wahrheit  wurde  seinen  Dersicherungen
  wie  denen  der  ihm  ergebenen  Dresse  geglaubt,  daß  ein  Angriff
  auf  Esterreich  in  Italien  die  Sicherheit  Deutschlands  unmittelbar
bedrohe,  daß  der  Rhein  am  Ho  verteidigt  werden  müsse,  daß  der  Kampf
der  Ehre  Deutschlands  gelte.  In  Hreußen  jedoch,  zumeist  auch  in  Norddeutschland
  urteilte  man  schärfer;  man  ließ  sich  nicht  durch  Hhrasen  berauschen,
  man  versagte  den  gedrückten  und  mißbandelten  Jtalienern  sein
Mitgefühl  nicht  und  war  weit  entfernt,  für  die  österreichische  Suprematie
über  Jtalien  sich  zu  begeistern.

Aber  die  Gedanken  sterreichs,  als  es  das  Schwert  zog,  gingen  viel
weiter;  den  Kaiser  Mapoleon  zu  stürzen  und  Frankreich  an  den  bourbonischen
  Hrätendenten  auszuliefern,  war  das  Siel  der  herrschenden
Dartei.  Denn  in  diesem  glaubte  sie  dann  einen  unbedingten  treuen
Bundesgenossen  zu  haben.

Der  Erzherzog  Albrecht  erschien  in  Berlin,  um  dem  Drinzregenten
den  Kriegsplan  Gsterreichs  darzulegen.  Esterreich  wollte  Hiemont  besetzen
  und  dadurch  den  Feind  im  Süden  an  die  Kette  legen,  dann  aber
zum  Angriff  auf  Frankreich  am  Rhein  vorgehen.  Dieser  gelte  als  der
Rauptkrieg,  für  den  es  260000  Mann  bestimmt  habez;  diesen  solle  das
deutsche  Bundeshbeer  in  der  eise  sich  anschließen,  daß  die  Süddeutschen
unter  dem  Erzherzoge  Seite  an  Seite  mit  GEsterreich  fechten,  die  Norddeutschen
  am  Niederrhein  unter  Dreußens  Oberbefebl  in  den  Krieg  eintreten
  würden.  Tricht  ohne  Erstaunen  vernahm  der  Hrinzregent,  wie
man  in  ien  über  die  Streitkräfte  Dreußens  und  Deutschlands  lediglich
zu  dem  SZwecke  verfügte,  um  die  österreichische  Doppelherrschaft  über
Deutschland  und  Italien  zu  behaupten.  Er  lehnte  daher  rundweg  den
österreichischen  Olan  ab  und  erklärte,  daß  sich  Hreußen  auf  die  Beschützung
des  deutschen  Bundesgebietes  beschränken,  sonst  aber  in  neutraler  Stellung
verharren  würde.  Er  wünschte  heilsame  Reformen  in  Jtalien,  aber
keine  Revolutionen,  keine  Besitzueränderungen.  Demgemäß  war  er  ent-