Auswärtige  Angelegenheiten.  269

befahl  der  Prinzregent  am  14.  Juni  die  Mobilmachung  von  sechs
preußischen  Armeecorps  und  stellte  zugleich  am  Bundestage  den  Antrag,
daß  auch  die  beiden  süddeutschen  Armeecorps  mobil  gemacht  würden.
Dem  gegenüber  versuchte  Esterreich  indes,  die  Leitung  der  deutschen  An—
gelegenheiten  in  seiner  Band  zu  behalten.  Rechberg  sandte  eine  Depesche
nach  Berlin,  in  der  er  dreist  behauptete,  es  sei  Hreußens  Bundespflicht,
nicht  nur  für  die  Behauptung  des  österreichischen  Besitzes  in  Jtalien,
sondern  auch  für  die  Aufrechterhaltung  der  Schutzverträge  einzusteben,
auf  denen  Esterreichs  Gberherrschaft  über  Jtalien  beruhte.  Für  alle
Jerhandlungen  beim  Bundestage  behielt  GEsterreich  überdies  sich  freie
Rand  vor,  d.  h.  es  wies  die  Forderung  Hreußens,  über  die  Streitkräfte
des  Deutschen  Bundes  DPerfügung  zu  erhalten,  zurück.  Und  doch  war
dies  die  Bedingung,  an  welche  Hreußen  sein  Sintreten  für  den  österreichischen
  Besitz  in  Italien  gebunden  hatte.

Auf  diese  Sumutung  Esterreichs  gab  der  Hrinzregent  gar  keine  Ant—
wort.  Er  sandte  vielmehr  nach  London  und  St.  Hetersburg  gleichlautende
Depeschen,  in  denen  er  den  Beginn  der  preußischen  bewaffneten  Dermittelung
  ankündigte  und  die  beiden  Großmächte  um  die  Unterstützung
derselben  ersuchte.  Die  Grundlage  sei  die  Erhaltung  des  Territorialbestandes
  und  die  Durchführung  politischer  Reformen  in  Italien.  Kachdruck
  gab  er  dieser  Erklärung  dadurch,  daß  er  jetzt  nicht  nur  die  ganze
preußische  Armee  auf  den  Kriegsfuß  setzte,  sondern  auch  beim  Bundestage
die  Wobilmachung  und  Susammenziehung  der  beiden  norddeutschen  Bundescorps
  beantragte.  Dadurch  war  die  Sicherheit  gegeben,  daß  in  kürzester
Frist  400000  Mann  deutscher  Truppen  kampfbereit  am  Rhein  standen.
Kaum  die  Hälfte  hatte  Frankreich  diesen  entgegenzustellen.  Konnte  da
der  Kaiser  Tapoleon  die  Surückgabe  der  eben  eroberten  Lombardei  an
Gsterreich  verweigern?  Oder,  wenn  er  es  doch  that,  bedurfte  da  Deutschland
  noch  der  Mitwirkung  Gsterreichs,  um  am  Rhein  den  Gegner  im
Schach  zu  halten?

Da  geschal  auf  dem  Kriegsschauplatze  das  Unerwartete.  Auch  die
Schlacht  bei  Solferino  hatte  das  Kriegsglück  nicht  den  Fahnen  Esterreichs
zugeführt;  mit  dem  Schwert  in  der  Band,  als  bewaffneter  Dermittler,  war
aber  jetzt  Preußen  bereit,  dem  Bedrängten  beizuspringen.  Schon  hatten
drei  preußische  Armeecorps  gegen  den  Rhein  sich  in  Marsch  gesetzt,  als
Uapoleon  dem  Kaiser  Franz  Joseph  den  Frieden  anbot  und  dieser  begierig
in  die  dargebotene  Hand  einschlug.  Don  London  her  war  Napoleon  die
Nachricht  von  der  bevorstehenden  Dermittelung  Hreußens  zugegangen.  Er
sollte  die  Lombardei  zurückgeben!  Wie  konnte  er  das  nach  all  den  Er-