270  Sweites  Kapitel.

klärungen,  die  er  in  die  Welt  hinausgesandt:  „Jtalien  frei  bis  zur  Adria!“
Und  doch,  wie  konnte  er  es  wagen,  die  Dermittelung  zurückzuweisen?
Daher  der  rasche  Entschluß,  um  dem  Dermittler  zu  entgehen,  dem  besiegten
Gegner  den  Frieden  anzubieten.  Und  Gsterreichd  Am  4.  Juli  hatte
Dreußen  im  Bundestage  verlangt,  daß  die  sämtlichen  deutschen  Truppen
unter  seinen  Oberbefehl  gestellt  werden  sollten.  Durch  seinen  Gegenantrag
vom  7.  Juli  suchte  Gsterreich  dem  zu  begegnen,  daß  der  Hrinzregent  von
Dreußen  zum  Bundesfeldherrn  nach  den  Bestimmungen  der  Bundeskriegsverfassung
  ernannt  werde.  Das  war  ja  von  vornherein  klar,  daß
der  Orinzregent  sich  niemals  unter  die  Weisungen  des  Bundestages  stellen
oder  Aufsicht  führende  Bundeskommissare  in  seinem  ZKauptquartiere  dulden
würde.  Aber  würde  Hreußen  sich  so  den  Krieg  verbieten  lassend  Würde
es  nicht  vielmehr  die  Seitlage  benutzen  wollen,  um  sich  unter  Ausschließung
Esterreichs  an  die  Spitze  von  Deutschland  emporzuschwingend  Es  gab
nur  einen  Ausweg:  durch  raschen  Friedensschluß  allen  weiteren  Schritten
Dreußens  zuvorzukommen.  Darin  also  trafen  die  beiden  käaiserlichen
Gegner  zusammen.  So  genügten  denn  wenige  Stunden,  um  den  Frieden
zustande  zu  bringen.  Das  Auftreten  Hreußens  hatte  ihn  den  kriegführenden
  Harteien  aufgedrängt.  Jetzt  wandten  sich  beide,  wie  es  zu  geschehen
pflegt,  gegen  den  Dermittler.  Kapoleon  erklärte,  er  habe,  nur  um  den
Ausbruch  eines  neuen  Krieges  mit  Dreußen  und  Deutschland  zu  vermeiden,
den  Frieden  geschlossen.  Mit  Ingrimm  aber  erhob  GEsterreich  die  Anklage
gegen  Hreußen,  daß  es  von  ihm,  seinem  nächsten  natürlichen  Bundesgenossen,
  im  Stich  gelassen  sei.  Indessen  konnte  doch,  da  die  Erklärungen
sich  klar  entgegenstanden,  nur  einer  der  Gegner,  sei  es  Frankreich,  sei  es
Esterreich,  recht  haben!  Die  Ceidenschaft  blendete  das  Urteil.  Man
wollte  sogar  wissen,  daß  zwischen  Wien  und  Haris  Unterhandlungen  im
Gange  wären,  um  mit  vereinten  Kräften  Hreußen  zu  züchtigen.

Der  Hrinzregent  war  über  dies  Benebmen  des  Wiener  HBofes  empört.
  Wie  er  die  bewaffnete  Dermittelung  Hreußens  angekündigt,  so
hatte  er  sie  klar  und  korrekt  bis  zum  Friedensschlusse  durchgeführt.  In
Deutschland  selbst  aber  beklagten  nicht  wenige,  daß  er  die  Gunst  der  Umstände
  nicht  ausgenutzt,  um  die  Einigung  Deutschlands  unter  preußischer
Führung  durchzusetzen.  Allein  waren  denn  wirklich  die  Umstände  so
günstig  gewesend  Doch  nur  zwei  Wege  hatten  offen  gestanden,  das  schöne
Siel  zu  erreichen;  denn  es  konnte  nur  im  Anschluß  an  eine  der  beiden
kriegführenden  Mächte  geschehen.  Wäre  es  aber  mit  Gsterreich  im  Bunde
erreicht  worden,  so  würde  Esterreich  nimmer  geruht  und  gerastet  haben,
bis  es  mit  der  deutschen  Einheit  und  der  preußischen  Spitze  wieder  vorbei