Auswärtige  Angelegenheiten.  273

Rhein-Mah#Bahn  auf  dem  linken  Rheinufer  gesprochen:  „Preußen  wird
niemals  dulden,  daß  auch  nur  ein  Fußbreit  deutschen  Landes  verloren  geht!“

Gewiß  wollten  auch  die  deutschen  Kleinstaaten  sich  gern  von  Dreußen
beschützen  lassen.  Sie  wollten  auch  deutsch  sein,  aber  dabei  doch  schwäbisch
oder  säckhsisch  bleiben.  Die  deutsche  Einheit  war  ihnen  eine  schöne
Theorie;  aber  im  Grunde  ihres  Berzens  waren  sie  partikularisch  gesinnt.
So  kamen  sie  halben  Weges  dem  Wiener  Hofe  entgegen,  der  in  der
Stille  unablässig  vor  Hreußen  und  seiner  Begehrlichkeit  sie  warnte,
während  der  Drinzregent  ruhig  abwartete,  bis  es  an  der  Seit  sein  würde,
die  Reform  der  Derfassung  des  Deutschen  Bundes  in  die  Hand  zu  nebmen.
Mur  mit  dem  Schwerte,  meinte  er,  könne  die  Einbeit  Deutschlands  gewonnen
  werden:  es  genügte  ihm  daber,  das  Schwert  Hreußens  blank
und  stark  zu  erbalten,  wenn  er  auch  kaum  noch  erwartete,  daß  er  selbst
es  würde  in  die  Hand  zu  nebmen  haben.

Moralische  Eroberungen  —  hatte  der  Hrinzregent  angekündigt  —
müsse  Hreußen  in  Deutschland  machen.  Mit  einer  gewissen  Uberraschung
sah  man  jetzt,  wie  derselbe  Fürst,  den  seine  Gegner  nur  als  Soldaten
wollten  gelten  lassen,  der  Wissenschaft  und  Kunst  seine  Teigung,  ja  seinen
Respekt  bekundete.  Im  Jahre  1858  hatte  die  Universität  Jena  ihre
500  jährige  Jubelfeier  begangen:  der  Hrinz  von  Hreußen  hatte  der
Reimatsuniversität  seiner  Gemahlin  dazu  die  Marmorbüsten  der  großen
Dkilosophen  Fichte,  Hegel,  Schelling,  die  einst  an  ihr  gelehrt  hatten,  geschenkt.
  Jetzt  beging  die  Universität  Berlin  die  Feier  ihres  50jährigen
Bestellens:  mit  wärmstem  Interesse  beteiligte  sich  der  Drinz  von  Hreußen
daran,  diesen  Tempel  des  Wissens  zu  ehren,  in  welchem  —  nach  dem
Worte  Wilhbelms  von  Humboldt  —  das  höchste  Allgemein-Mencschliche
wie  in  einen  Brennpunkt  sich  sammeln  sollte.  Die  100  jährige  Geburtstagsfeier
  Schillers  gab  dem  Hrinzregenten  die  Deranlassung,  das  Andenken
des  großen  Dichters  durch  eine  Stiftung  zur  Förderung  des  geistigen
Lebens  im  deutschen  Volke  zu  ehren.  Er  rief  die  Schillerstiftung  ins
Leben,  indem  er  für  das  beste  in  dem  Seitraum  von  je  drei  Jahren
hervorgegangene  Werk  der  deutschen  dramatischen  Dichtkunst  einen  Hreis
von  tausend  Thalern  in  Gold  nebst  einer  goldenen  Denkmünze  zum  Werte
von  hundert  Thalern  in  Gold  bestimmte.  ,

Auch  den  Ruhmestitel  dürfen  wir  nicht  übergehen,  den  die  Ent—
sendung  der  ostasiatischen  Expedition  für  den  Prinzregenten  bildet.  Am
25.  Oktober  1860  liefen  die  Fregatte  Thetis  und  der  Schoner  Frauenlob
aus  dem  Hafen  von  Danzig  aus,  denen  im  November  die  Korvette

Arkona  folgte.  Der  Sweck  dieser  handelspolitischen  Mission,  an  deren
Kaiser  Wilhelm.  18