274  Zweites  Kapitel.

Spitze  Graf  Eulenburg  stand,  war,  mit  den  Regierungen  von  Siam,
China  und  Japan,  nach  Umständen  auch  mit  dem  Reich  der  hawaiischen
Inseln,  Handelsverträge  abzuschließen,  um  ähnliche  Vorteile  zu  erringen,
wie  England,  Frankreich,  Rußland  und  Nordamerika  sie  sich  schon  gesichert
  hatten.  Bisher  hatte  unter  dem  Schutze  dieser  Mlächte  der  deutsche
Randel  in  GEstasien  gestanden.  Jetzt  erachtete  es  der  Hrinzregent  der
politischen  Stellung  Dreußens  und  des  Sollvereins  für  angemessener,  dem
deutschen  Handel  diesen  Schutz  selbst  zu  gewähren,  um  die  Unternehmungen
sicherer,  solider  und  ausgedehnter  zu  gestalten.  Darum  eben  sollte  die
preußische  Kriegsflagge  in  jenen  fernen  Gegenden  sich  zeigen,  die  Expedition
  in  wissenschaftlicher  und  kommerzieller  Beziehung  das  Terrain
erforschen  und  den  Abschluß  von  Derträgen  erwirken.  Darum  waren
dem  Chef  außer  seinen  Attachés  auch  vier  Naturforscher,  drei  Kaufleute
und  ein  Landwirt  beigegeben.  Dem  ganzen  Deutschland  also  sollte  zu
gute  kommen,  was  Hreußen  mit  den  Kräften  seiner  jungen  Flotte  unternahm.

Während  so  Hreußen  für  die  praktischen  Interessen  Deutschlands
Fürsorge  übte,  wurde  die  Stimmung  der  deutschen  Regierungen  gegen
Dreußen  unter  Rechbergs  unablässigem  Schüren  immer  gereizter.  „Allenthalben
  hört  man,  daß  du  uns  verschlucken  willst!“  sagte  König  Johann
von  Sachsen  zu  dem  Hrinzregenten.  „Wer  sagt  das?“  war  die  Gegenfrage.
  „Mun,  in  Berlin  sagen  es  alle  Schusterjungen!“  meinte  König
Johann.  Aber  mit  Unwillen  wies  der  Hrinz  die  Derleumdung  zurück.
Es  war  die  Furcht  vor  den  Reformgedanken  Hreußens,  welche  die  kleineren
deutschen  Staaten  aufregte;  und  der  Orinzregent  hatte  des  gar  kein  Hehl,
daß  er  mit  solchen  sich  trüge.  Die  Stettiner  Bürgerschaft  hatte  im
August  1850  eine  Adresse  an  ihn  gerichtet,  in  der  sie  um  die  Errichtung
einer  deutschen  Sentralgewalt  bat.  Graf  Schwerin  war  der  Meinung,
sie  kurzweg  abzuweisen;  aber  der  Hrinzregent  korrigierte  ihm  den  Antwortsentwurf
  so  gründlich,  daß  er  zwar  den  Antrag  für  noch  verfrüht
erklärte,  aber  die  Meinung,  daß  eine  Umgestaltung  der  Zundesverfassung
nötig  sei,  als  richtig  anerkannte.  Da  glaubten  denn  die  deutschen  Regierungen
  an  der  bundesfeindlichen  Gesinnung  Hreußens,  für  das  überdies
der  Rationalverein  noch  den  Freiwerber  machte,  nicht  länger  zweifeln  zu
können.  SOsterreich  ging  voran:  es  denunzierte  den  Berzog  Ernst  von
Sachsen-Koburg  als  Gesinnungsgenossen  und  Beschützer  des  Nationalvereins
  bei  Hreußen,  indem  es  diesem  die  weiteren  Waßregeln  anheimgab.
  Zu  seiner  höchsten  Ernüchterung  empfing  Graf  Rechberg  von  dem
Drinzregenten  die  Antwort,  daß  an  der  lopalen  Gesinnung  Herzog  Ernsts
gar  nicht  zu  zweifeln  sei;  denn  über  die  Notwendigkeit  einer  Bundes-