Auswärtige  Angelegenheiten.  275

reform,  von  der  der  Herzog  gesprochen,  seien  schon  vor  zehn  Jahren  alle
deutschen  Fürsten  einig  gewesen.

Der  Sommer  hatte  jedem  Einsichtigen  gezeigt,  daß  vor  allem  die
Bundes-Kriegsverfassung  geändert  werden  müsse.  Da  brachte  denn  am
17.  Oktober  den  Gerüchten  gegenüber,  daß  Hreußen  eine  solche  Anderung
herbeizuführen  beabsichtige,  Sachsen  den  Antrag  beim  Bunde  ein,  der  Bundes-Militärkommission
  eine  genaue  Drüfung  der  Zundes-Kriegsverfassung
und  Bericht  über  etwa  nötige  Anderungen  derselben  aufzugeben.  Das
richtete  sich  nur  gegen  Dreußen;  indessen  Hreußen  stimmte  ohne  weiteres
für  den  Antrag  und  legte  dann  der  Kommission  seinen  Reformvorschlag
vor,  nach  welchem  im  Kriegsfalle  die  süddeutschen  Bundescorps  unter
österreichischen,  die  norddeutschen  unter  preußischen  Gberbefehl  gestellt
werden  sollten.  Der  Gberbundesfeldherr,  den  der  Bundestag  zu  wählen
und  durch  seine  Kommissare  zu  beaufsichtigen  hatte,  war  dann  in  einfachster
  Weise  beseitigt.  Dem  widerstrebte  indessen  Esterreich  mit  aller
Entschiedenheit,  da  so  Norddeutschland  seinem  Einflusse  entzogen  wäre.
So  kam  es,  daß  nach  mehrmonatlichen  Beratungen  die  Kommission  mit
allen  gegen  eine  Stimme  dem  Zundestage  die  Derwerfung  des  preußischen
Antrages  empfahl.  Aber  war  zu  erwarten,  daß  der  Hrinzregent  mit
dieser  Abweisung  sich  bescheiden  würde?

Nicht  weniger  als  diese  Reformfrage  regte  aber  das  Eintreten
Dreußens  für  die  hessischen  Stände  gegen  ihren  Kurfürsten  auf.  Es  gab
am  Bundestage  die  Erklärung  ab,  daß  der  Deutsche  Zund  durch  die
Mitwirkung  zur  Beseitigung  der  kurbessischen  Derfassung  von  1831  seine
Befugnis  überschritten  habe.  Das  machte  großes  Aufsehen  in  Deutschland:
  laut  spendeten  in  allen  Kammern  die  TLiberalen  dem  preußischen
Schützer  des  Rechts  ihren  Beifall,  und  selbst  in  Süddeutschland  fand
Dreußen  mehr  und  mehr  bereite  Sustimmung.

Dieser  Abgeneigtheit  der  deutschen  Regierungen  gegenüber,  während
gerade  die  Bedrohung  von  Ost  und  West  ein  einmütiges  Susammenfassen
aller  Kräfte  für  Deutschland  nötig  gemacht  Rätte,  Bielt  es  der  Hrinzregent
  für  unerläßlich,  die  Stellung  HDreußens  zu  Rußland  zu  klären  und
zu  sichern.  In  Breslau  Ende  Cktober  1850  trafen  die  Rerrscher  Rußlands
  und  Hreußens  zusammen.  Kaiser  Alexander  II.,  der  Veffe  des
Drinzregenten,  war  während  des  Krimkrieges  seinem  Dater  Mikolaus  auf
dem  russischen  Throne  gefolgt.  Er  hatte  den  Krieg  beendigt  und  dann
alsbald  sein  Lebenswerk,  die  Aufhebung  der  Leibeigenschaft,  durchzuführen
begonnen:  ein  Mann  milden  Sinnes,  friedliebend,  aber  nicht  von  jenem

imponierenden  Eindruck,  dessen  sein  Dater  sicher  war.  Die  Susammen-=«
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